Enduros sind das zweitgrößte Motorradsegment in Deutschland. Mit 28.750 Neuzulassungen im vergangenen Jahr und einem Marktanteil von 25 Prozent liegen sie ganz dicht hinter den Sportbikes. Vier Marken dominieren den Enduro-Markt: BMW, Ducati, Honda und KTM. Was sie eint, ist die Antriebsart: Es ist stets ein Zweizylindermotor. Geländegängig sind alle Enduros in gewissem Maße, die einen mehr, die anderen weniger.

Doch deshalb kauft sich keiner eine Enduro. Sie sind komfortabel und leicht zu fahren, taugen für die enge Stadt genauso wie für die große Reise zu zweit und einer Menge Gepäck. Enduros sind die SUVs unter den Motorrädern. Man sitzt hoch und bequem, schaut über die anderen gelassen hinweg. Und steigt entspannt ab.

Vier neue Modelle haben wir uns näher angeschaut. Das schönste aus dem Quartett ist die Africa Twin von Honda. Bei der Wahl zum Motorrad des Jahres 2017 der Zeitschrift Motorrad belegte sie den ersten Platz in der Kategorie Enduro. Dass die Maschine mit der Modellbezeichnung CRF1000L nicht nur elegant sein kann, sondern Offroad-Eigenschaften hat, belegte ein nahezu serienmäßiges Modell bei der Fahrt auf einen Vulkan von exakt 0 auf genau 5.901 Meter.

Honda CRF1000L Africa Twin © Hersteller

Die erste Generation der Africa Twin wurde 1988 vorgestellt, "mit ihr wurde das Segment der Adventure-Bikes erfunden", sagt Honda. Zu seinem Namen kam das Modell damals, weil es entwickelt wurde, "um Tausende Kilometer Wüste und Gelände zu überstehen". Der zweite Teil des Namens deutet auf den Motor hin: Die alte Africa Twin wird wie die neue auch von einem Parallel-Twin angetrieben – so heißt im Englischen ein Reihen-Zweizylinder. In den neunziger Jahren war die Original-Africa-Twin ein riesiger Verkaufserfolg, 2000 wurde die Fertigung eingestellt. Jetzt gibt es fast zwei Jahrzehnte später wieder eine Honda dieses Namens. Der aktuelle Motor hat 998 Kubikzentimeter Hubraum, leistet 95 PS und hat bauartbedingt eine angenehme Laufkultur.

Die neue Africa Twin gibt es in zwei Varianten: mit abschaltbarem Antiblockiersystem und Traktionskontrolle sowie mit zusätzlichem Doppelkupplungsgetriebe. Die Abschaltung des ABS ist bei Fahrten im Gelände sinnvoll, um auf losem Untergrund das Hinterrad bei Bedarf zu blockieren. Ein Doppelkupplungsgetriebe für Motorräder bietet allein Honda an. Dabei kann der Fahrer aus drei Betriebsarten wählen: Im manuellen Modus werden mit der linken Hand über Drucktasten am Lenker die Gänge gewählt. Im Automatikmodus schaltet das Getriebe selbsttätig, mal früher oder später, je nachdem ob die sportliche oder normale Fahrweise gewählt wird.

Die African Twin wirkt leicht – vollgetankt wiegt sie 232 Kilogramm – und ist dennoch robust. Die Sitzposition ist komfortabel, das Windschild bietet ausreichend Wetterschutz. Wer sie sich anschaffen will, braucht mindestens 12.890 Euro.