Bisher wurden tödliche Unfälle bei Autorennen vor Gericht häufig als fahrlässige Tötung verhandelt. Das scheint sich nun zu ändern: In Mönchengladbach sitzt ein Autofahrer wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft, weil er im Zuge eines Straßenrennens einen Fußgänger tödlich verletzte. Diese Rechtsauffassung ähnelt jener, die die Berliner Justiz vertrat, als zwei Raser nach einem Rennen mit tödlichem Ausgang des Mordes schuldig gesprochen worden waren.

Den Ermittlungen in Mönchengladbach zufolge lieferte sich der Tatverdächtige in der Stadt ein Rennen mit zwei weiteren Autofahrern. Als er auf die Gegenfahrbahn wechselte, prallte er mit mindestens 90 Kilometern pro Stunde auf einen Fußgänger. Das Opfer starb an schweren Schädelverletzungen. Auf der Straße sind nur 40 Kilometer pro Stunde erlaubt. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, der 28-Jährige habe den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen und das Auto als "gemeingefährliches Mittel" eingesetzt. Damit sei ein Mordmerkmal erfüllt.

Nach der Justiz reagiert mittlerweile auch die Gesetzgebung auf die sogenannte Poser-Szene, in der schnelle Autos eine wichtige Rolle spielen. Der Bundestag wird aller Voraussicht nach noch vor der Sommerpause einem Gesetzentwurf zustimmen, dem zufolge illegale Straßenrennen von der Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft werden sollen. Veranstalter und an den Rennen beteiligte Raser sollen künftig mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft belegt werden können. Werden Menschen getötet oder schwer verletzt, sollen bis zu zehn Jahre Gefängnis möglich sein. Dem Entwurf zufolge soll es zudem möglich sein, die Autos der Beteiligten zu beschlagnahmen.

Bisher nur Bußgelder

Bisher werden die Teilnehmer illegaler Straßenrennen in aller Regel mit einem Bußgeld in Höhe von 400 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot belegt, die Veranstalter mit einer Strafzahlung in Höhe von 500 Euro. "Die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten haben sich in der Praxis als unzureichend erwiesen", heißt es in dem Gesetzentwurf der Länderkammer. Von ihnen gehe kaum eine "durchgreifende Abschreckungswirkung" aus, da nur ein kurzfristiges Fahrverbot drohe. Das neue Gesetz sieht daher auch den Führerscheinentzug vor.

Illegale Rennen sind schon länger Thema in der Rechtsprechung. Zu einem Fall aus Köln wird am Donnerstag erstmals auch eine höchstrichterliche Entscheidung erwartet: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet dann, ob es richtig war, zwei Raser für ein Rennen im April 2015 in Köln zu Bewährungsstrafen zu verurteilen. Dort war eine 19 Jahre alte Radfahrerin getötet worden.

Am Montag begann im Saarland der Prozess zu einem mutmaßlich illegalen Rennen. Ein 23-Jähriger soll dabei in eine Gruppe Jugendlicher gefahren sein. Ein 14-Jähriger starb, ein 16-Jähriger wurde schwer verletzt. Doch weil sich wohl nicht beweisen lässt, dass es sich um ein illegales Autorennen handelte, lautet der Vorwurf nicht Mord, sondern fahrlässige Tötung.