Der Verkehr der Zukunft hat begonnen. Autos werden mit immer besseren Elektromotoren fahren, und sie werden das künftig wohl selbstständig machen können. Die Fortbewegung generiert zudem Daten, die immer besser erfasst werden und die Grundlagen für individualisierte Angebote bilden – bis hin zu einem Punkt, an dem Systeme sowohl die eigenen Bedürfnisse als auch die Verkehrsentwicklung antizipieren und entsprechende Vorschläge unterbreiten. Eine durchaus positive Entwicklung, denn unsere heutigen Verkehrskonzepte sind der zunehmenden Urbanisierung – die Bevölkerung zieht sich immer mehr in Ballungsräumen zusammen – nicht mehr angemessen.

Wir bewegen uns in den Städten immer langsamer voran, die gekauften Autos stehen zu 80 Prozent der Zeit ungenützt herum, die Umweltbelastungen steigen. Die verschiedenen Mobilitätsangebote sind heute noch weitgehend isoliert und nicht auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt – auch wenn Apps versuchen, Abhilfe zu schaffen.

Doch die Entstehung von Mobilitätsplattformen steht unmittelbar bevor. Sie machen dem Einzelnen oder einer Gruppe ein Angebot, wie man von A nach B kommen kann, unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten und der Erfahrungen, die sich aus den gesammelten Daten ableiten lassen: mit dem eigenen Wagen, im Carsharing oder Carpool, Leihwagen, E-Bike, mit der Bahn oder Flugzeug. Auf den ersten Blick mag das als die logische Weiterentwicklung von Angeboten in der typischen Art und Weise der digitalen Ökonomie erscheinen. Sie hat jedoch gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft und sogar auf politische Strukturen.

Eine Koalition der Autobauer genügt nicht

Noch fehlt uns eine Theorie der Plattformökonomie. Es ist aber schon jetzt erkennbar, dass erfolgreiche Plattformen ausreichend groß werden müssen, um relevant zu sein. Während einer Wachstumsphase öffnen sie sich und nehmen zunächst freie Produzenten (Kunden), Start-ups und Konkurrenten auf, um sich später dann eher abzuschotten, eigene Standards durchzusetzen und so die eigene Dominanz zu verteidigen.

Diese Entwicklung trifft auf die Mobilität mehr als auf jeden anderen Sektor zu. "Wir werden internetbezogene Plattformen für Mobilität bekommen. Nur wenige werden davon überleben", sagt der deutsche Autoexperte Stefan Bratzel. Für die Automobilhersteller, die sich mit wenigen Ausnahmen alle in Richtung derartiger Plattformen bewegen, hat dies dramatische Auswirkungen. Die Macht in diesem Konstrukt hat der Besitzer der Plattform. Andere können zwar zuliefern, haben aber in der Regel keinen oder begrenzten Zugriff auf die Kundendaten. Die aber sind essenziell: Nur sie erlauben es, das Angebot stetig zu verbessern.

Die Frage, ob man Besitzer/Mitbesitzer der Plattform ist oder lediglich Zulieferer, ist also entscheidend. Wird es eine Plattform pro Autohersteller geben oder eine für ganz Deutschland? Wäre nicht eine europäische oder gar globale unter Bequemlichkeitsaspekten wünschenswert?

Schon die Tatsache, dass künftig nicht mehr die Eigenschaften der Autos im Mittelpunkt stehen werden, sondern eine aufzubauende Community sowie Services, ist für die Hersteller eine große Herausforderung und Veränderung, denn ihre DNA liegt im Autobau und nicht in der Konzeption globaler Dienstleistungen. Die werden aber wichtig, da wegen Sharing der Absatz von Autos sinken wird und kompensiert werden müsste.

Das erklärt, warum sich die Anzeichen mehren, dass Hersteller stärker miteinander kooperieren – übrigens ein markantes Merkmal der Digitalökonomie. Eine Koalition der Autobauer untereinander würde aber wohl nicht ausreichen. Das Beispiel der Geodatenplattform Here.com zeigt ansatzweise, dass Born Digitals wie Technologieanbieter, Fablabs, Start-ups, IT- und Innovationsplattformen in der Wachstumsphase der Plattform integriert werden, genauso wie die bisherigen Kunden, die nun Daten generieren, an der Software mitarbeiten und auch Fahrleistungen und andere Services anbieten können.