Fast 46 Millionen Autos besitzen die Deutschen. Genutzt wird der Wagen im Schnitt eine Stunde am Tag, den Rest der Zeit stehen die meisten Autos herum. Für die Städte ist das ein Problem, denn geparkte Autos verbrauchen den knappen öffentlichen Raum. Trotzdem ist Parken in Deutschland im europäischen Vergleich sehr günstig, häufig sogar kostenlos.

Dabei kann cleveres Parkraummanagement, so unbeliebt es erst mal sein mag, die Zahl der Autos in der Stadt reduzieren: Wer fürs Parken Geld verlangt, steuert den Verkehr. Wie über Parkeinnahmen nachhaltige Mobilität gefördert werden kann, zeigen Projekte des EU-Projekts Push&Pull.

Eines der sieben Projekte wurde im April 2012 im englischen Nottingham eingeführt: die sogenannte Workplace Parking Levy (WPL), eine Parkgebühr am Arbeitsplatz. "Arbeitgeber mit mehr als zehn Parkplätzen für ihre Angestellten müssen seitdem eine jährliche Abgabe zahlen", erläutert Martina Hertel. Die Diplom-Geographin hat für das Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) das Push&Pull-Projekt wissenschaftlich begleitet. Die WPL startete bei umgerechnet knapp 300 Euro. Derzeit beträgt sie 387 Pfund (446 Euro) – und zwar für jeden bereitgestellten Parkplatz.

Anfangs war die Empörung in Nottingham groß. Insbesondere, da einige Arbeitgeber die Gebühr auf die Arbeitnehmer abwälzten. Die wollten die Abgabe nicht zahlen und begannen, in den Wohngebieten von Nottingham zu parken. Mittlerweile ist die WPL jedoch etabliert, und die Unternehmen unterstützen die Regelung. Rund 27.000 Parkplätze sind für die Gebühr registriert. Einige Arbeitnehmer sind aufs Rad umgestiegen, viel mehr nutzen aber den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV).

Mit Druck und Anreizen

Der ist inzwischen sehr attraktiv. Nottingham steckt die Einnahmen aus der WPL – im vergangenen Jahr umgerechnet rund 10,7 Millionen Euro  – kontinuierlich in die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Stadt hat ihr Straßenbahnnetz seit 2012 um 17,5 Kilometer erweitert. Es gibt drei weitere Linien für die 320.000 Einwohner, demnächst ergänzen 53 Biogas-Doppeldeckerbusse die Elektrobus-Flotte. Nottingham verfügt heute über eines der größten E-Busnetze in Europa. Die Fahrzeuge sind mit Wifi und Steckdosen ausgestattet.

Das kommt gut an. Im vergangenen Jahr zählte die Stadtverwaltung in den Bussen insgesamt fast 66 Millionen Fahrgäste, allein bei der Straßenbahn stiegen die Nutzerzahlen von 2015 zu 2016 um 50 Prozent, auf elf Millionen Fahrgäste. Diese Zahlen spiegeln sich auch in der Klimabilanz wieder. Nottingham hat seinen CO2-Ausstoss bereits 2016 um 33 Prozent verringert gegenüber 2005 – eigentlich war eine Reduktion um 26 Prozent bis 2020 vorgesehen.

"Nottingham zeigt, dass ein cleveres Parkraummanagement Stadtbewohner und Pendler dazu bewegt, auf nachhaltigere Verkehrsmittel umzusteigen", sagt Martina Hertel. Entscheidend sei allerdings, dass die Einnahmen investiert werden, um nachhaltige Mobilitätsangebote auszubauen. Genau darum geht es bei Push&Pull: Druck ausüben, um den Autoverkehr zu reduzieren, und gleichzeitig einen Anreiz zum Umsteigen schaffen, um nachhaltige Mobilität zu fördern: das Radfahren, die Nutzung des ÖPNV und das Zufußgehen.

Das fällt den europäischen Nachbarn offenkundig leichter als den Deutschen. Hierzulande ist das Kontrollieren der Parkraumgebühren eine Aufgabe der Ordnungsämter. In Spanien und Belgien ist dieser Aufgabenbereich jedoch ausgegliedert an private Unternehmen, die mit der jeweiligen Kommune kooperieren. Das hat einen klaren Vorteil: Sie generieren eigene Einnahmen, von denen ein Teil in den Haushalt der Stadt fließt, ein Teil aber auch als Investitionen in nachhaltige Mobilität.

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