Bei der Fahrt in den Urlaub herrscht auf der Autobahn wegen Staus immer mal wieder Stillstand. Darf ich bei diesen Zwangsstopps kurz aus dem Auto aussteigen?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Peter Lamprecht.

Wenn sich auf der Autobahn ein Stau bildet und alles für eine Weile stillsteht, nutzen viele Fahrer oder Mitfahrer die Chance: Sie steigen aus, vertreten sich die Füße, rauchen eine Zigarette, besprechen mit anderen Staugeplagten die Lage. Doch auch wenn es verlockend klingt: Die Fahrbahn darf im Stau grundsätzlich nicht betreten werden.

Der Gesetzgeber sieht weder ein menschliches Bedürfnis noch das Wickeln eines Kindes als anerkannten Notfall an. Um sich die Füße zu vertreten oder die Toilette aufzusuchen, müssen sich Autofahrer bis zum nächsten Park- oder Rastplatz gedulden. "Das Betreten der Fahrbahn im Stau ist nur erlaubt, um einen Unfall abzusichern", erläutert der Verkehrsrechtsexperte Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). "Wer sich nicht daran hält, dem drohen zehn Euro Verwarnungsgeld."

Engelmohr ergänzt aber, dass die Ordnungshüter bei Kurzem Aussteigen schon einmal ein Auge zudrücken, wenn der Verkehr auf der Autobahn schon längere Zeit steht. Entscheidend ist allerdings, dass die Passanten die Rettungskräfte nicht behindern. "Wenn ein Fahrer oder Passagier das Auto verlässt, etwa im Fall einer Panne, hat er sich laut Vorschrift eine Warnweste anzuziehen und auf dem schnellsten Weg hinter die Leitplanken zu begeben", sagt der Jurist.

Untersagt ist außerdem, auf der Autobahn oder dem Standstreifen zu halten. Der Standstreifen wird auch Pannenstreifen genannt, weil Fahrzeuge dort nur bei technischen Problemen oder in einem Notfall stoppen dürfen. "Unter Notfall fällt jedoch nicht die Pinkelpause, selbst wenn sie dringlichst herbeigesehnt wird", betont Engelmohr.

Bei Verstößen gegen dieses Verbot kann ein Verwarngeld von 30 Euro fällig werden. Wer sich davon nicht abhalten lässt, macht sich als "Wildpinkler" strafbar. "Beide Gesetzesverstöße summieren sich zu einem teuren Toilettengang, denn Parken auf dem Pannenstreifen kostet 70 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg", warnt der AvD-Verbandsjurist.

Verboten ist es auch, sich auf dem Seitenstreifen am Stau vorbei zum nahegelegenen Rastplatz oder zur nächsten Autobahnausfahrt zu schlängeln. Wer erwischt wird, muss mit 75 Euro Bußgeld rechnen, zudem wird ein Punkt im Flensburger Verkehrsregister eingetragen. Selbstverständlich sollte für jeden Autofahrer sein, dass er aus Sicherheitsgründen auf der Autobahn weder rückwärts fahren noch wenden kann, auch nicht im Stau. Solche Manöver dürfen nur auf ausdrückliche Anordnung der Polizei erfolgen. Wer sich nicht daran hält, dem drohen eine Geldbuße von bis zu 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Richtig verhält sich bei einem Stau auf der Autobahn hingegen, wer langsam an das Stauende heranfährt und den nachfolgenden Verkehr auf die Störung mit dem Warnblinker aufmerksam macht. Jüngst gab es auch mehrfach Berichte über unzureichende Rettungsgassen auf Autobahnen nach Unfällen. Engelmohr empfiehlt: "Wenn der Verkehr zu stocken beginnt, ist es ratsam, sein Fahrzeug abzubremsen, Abstand zu den Fahrzeugen vor einem zu halten und an den Rand des jeweiligen Fahrstreifens zu lenken."

Sonst kann es passieren, dass später keine Möglichkeit mehr zu reagieren bleibt, wenn die Blechlawine endgültig steht. Eine Rettungsgasse zu bilden, hat im Stau höchste Priorität – rücksichtslose Fahrer gefährden das Leben der Unfallopfer. Wer die Rettungsgasse behindert oder blockiert, riskiert ein Verwarngeld von 20 Euro. Eine ebenso hohe Summe wird fällig, wenn Autofahrer die Rettungsgasse schließen, indem sie beispielsweise einem Rettungsfahrzeug hinterherfahren.