Die Deutschen sind laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage mehrheitlich für gezielte Diesel-Fahrverbote in belasteten Gebieten. Bei der von Greenpeace in Auftrag gegebenen Erhebung stimmten 57 Prozent der Befragten dafür, Diesel-Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß nicht mehr in Stadtteilen mit schlechter Luftqualität fahren zu lassen.

86 Prozent der Befragten fordern demnach zudem, dass die Hersteller die Fahrzeuge so nachrüsten müssen, dass sie im Alltagsgebrauch die Grenzwerte auf den Straßen einhalten. 68 Prozent der Befragten gaben an, dass Deutschland momentan nicht genügend Maßnahmen ergreift, um die deutsche Autoindustrie auf Veränderungen wie die Elektromobilität vorzubereiten.

Beim Diesel-Gipfel am Mittwoch trifft sich die Bundesregierung mit Vertretern der Autoindustrie, um Konsequenzen aus dem Abgasskandal zu ziehen. Dabei sollen Maßnahmen zur Senkung des Schadstoffausstoßes beschlossen werden, unter anderem wird die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen per Softwareupdate verhandelt. "Wir erwarten dort natürlich auch Aktion und Bewegung seitens der Industrie", sagte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer.

Diesel-Gipfel - Grüne fordern Zukunftskommission für umweltfreundliche Mobilität Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, hat sich für eine Hardwarenachrüstung von Diesel-Fahrzeugen ausgesprochen. Die Bundesregierung will mit einem einheitlichem Forderungskatalog in den Diesel-Gipfel am Mittwoch gehen. © Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl hingegen äußerte in der Rheinischen Post Bedenken. "Ein bisschen Softwarekosmetik allein kann die Gesundheit der Menschen nicht schützen. Die Hersteller müssen auch an die Hardware ran." Ge­ne­rel­le Fahr­ver­bo­te sind Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zufolge der falsche po­li­ti­sche Weg für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. "Wir wol­len, dass we­ni­ger Stick­oxi­de an der Quel­le aus­ge­sto­ßen und die Fahr­zeu­ge schnells­tens auf Kos­ten der Her­stel­ler op­ti­miert wer­den", sagte er. Er er­war­te beim Gip­fel dazu ein An­ge­bot der Au­to­mo­bil­in­dus­trie.

Der Steuerzahlerbund sprach sich gegen staatliche Prämien oder Steuernachlässe für neue Diesel aus. "Was nicht sein kann, ist, dass die Politik jetzt wieder mit Steuergeld winkt", sagte der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, im Deutschlandfunk zu entsprechenden Vorschlägen unter anderem von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und seinem niedersächsischen Amtskollegen Stephan Weil (SPD). "Hier ist die Automobilindustrie in der Pflicht, und da erwarte ich auf dem Autogipfel auch klare und deutliche Aussagen", sagte Holznagel.

Zwar müsse man mit Blick auf die vielen Arbeitsplätze in der Branche mit Bedacht vorgehen. Aber die Autoindustrie bekomme auch schon viele Subventionen, etwa über die Kaufprämie für Elektroautos.