Erst schien es, als würden die Manipulationen der Abgaswerte von VW dem Absatz von Dieselmotoren nicht schaden. Nach Bekanntwerden der Softwaremanipulationen im September 2015 blieben die Verkäufe ein Jahr lang stabil. Dann aber wurde aus dem VW-Skandal ein markenübergreifender Dieselskandal, mit der Konsequenz, dass die Nachfrage zurückgeht. "Das ist eine Folge des Ausnutzens löchriger Gesetze, das die ganze Branche betreibt", sagt der Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer. Wer sich gegen den Diesel entscheide, entscheide sich für die Umwelt und blase nicht mehr unnötig Ruß in die Luft. "Ein Oberklasseauto der deutschen Premiumhersteller kostet um die 70.000 Euro. Wer so viel Geld ausgibt, will doch nicht von seinem Nachbarn als Umweltsünder angesehen werden." Für das Geld gibt es auch saubere Lösungen.

Noch vor zwei Jahren war jedes zweite neu zugelassene Auto in Deutschland ein Diesel. Seit etwa einem Jahr brechen die Neuzulassungen drastisch ein. Laut Kraftfahrtbundesamt wurden im Juni rund 127.000 neue Fahrzeuge mit Dieselmotor zugelassen, das sind fast 30.000 weniger als ein Jahr davor. Dudenhöffer glaubt, dass der Diesel in Europa zum Nischenprodukt werde. Global hat er als Antrieb fürs Auto wenig Bedeutung; in Asien und Amerika kommt er kaum vor. Der Diesel ist ein rein europäisches Phänomen, aber wohl nicht mehr lange. "Weil die Absatzzahlen einbrechen, sinkt das Interesse der Hersteller, in diese Technologie zu investieren."

Dudenhöffer zweifelt daran, dass selbst ein sauberer Diesel nach den Skandalen von den Verbrauchern jemals wieder akzeptiert wird. Er rät Leuten, die in Städten wohnen und Diesel fahren, darüber nachzudenken, ihr Auto abzustoßen. "Wer zuerst verkauft, hat weniger Verlust." Leute auf dem Land seien nicht so sehr in Zugzwang. "Wer sich heute ein neues Auto mit Dieselantrieb kauft, verliert viel Geld, wenn er ihn in einigen Jahren verkaufen will", sagt Dudenhöffer. Das gilt unabhängig vom Wohnort – und sofern der Verkauf überhaupt noch möglich sein wird.

Denn nicht nur bei den Neuwagen, sondern auch bei gebrauchten Dieseln sinkt das Interesse der Kundschaft. Etwa 15.000 Diesel weniger wurden im Juni 2017 im Vergleich zum Vorjahr umgeschrieben. Im gleichen Zeitraum haben sich die Standzeiten für einen Gebrauchten von 80 auf 95 Tage erhöht. So lange dauert es inzwischen, bis ein Diesel in anderen Händen ist. "Für den Handel ist das eine extrem schwierige Situation, er trägt den Großteil des wirtschaftlichen Schadens", sagt Jens Nietzschmann, Geschäftsführer der Deutschen Automobil Treuhand, genannt DAT. Die DAT bezeichnet sich als Informationszentrale der Automobilwirtschaft. Sie versorgt die Branche auch mit Preisen für Gebrauchte und weiß daher, dass der Wertverlust von Diesel zunimmt.

Im Juni dieses Jahres wurde ein drei Jahre alter Diesel mit eine Laufleistung von etwa 60.000 Kilometern durchschnittlich zu 55 Prozent des ehemaligen Listenpreises gehandelt. Zum Jahresbeginn war es ein Prozent mehr. Bei einem 50.000-Euro-Auto beträgt der Abschlag immerhin 500 Euro in sechs Monaten. "Seit Januar verliert der Diesel gegenüber dem Benziner deutlich an Wert, mit weiterhin sinkender Tendenz", sagt Nietzschmann. Den Rückgang am Interesse für diese Motorenart begründet er mit der Verunsicherung der Endverbraucher. Mit Nachbesserungen bei Rückrufen wollen die Hersteller das Vertrauen in ihre Marke und die Technologie verbessern.

Für Vielfahrer lohnt sich ein Diesel

Nietzschmann rät davon ab, seinen Diesel jetzt wegen des steigenden Wertverfalls zu verkaufen. "Man fährt ein solches Auto ja nicht, um beim Handeln damit Geld zu machen, sondern um günstig zu fahren." Bei Vielfahrern ist die Kosten-Nutzen-Bilanz des Diesels gegenüber dem Benziner besser. "Den Kunden interessieren weniger die Werterhaltung als vielmehr die Betriebskosten", sagt der DAT-Geschäftsführer. Daher ist es für ihn keine sinnvolle Strategie, seinen Diesel aus Angst vor weiterem Wertverfall zu verkaufen.

Die negative Diskussion über diese Motorenart hält er für "abträglich und ungerecht, denn er hat durchaus positive Seiten". Die CO2-Reduzierung nennt er als Beispiel. Davon stoßen Diesel im Vergleich zum Benziner etwa ein Fünftel weniger aus. Allerdings liegt der Diesel bei den Stickoxiden um ein Zehnfaches über dem Benziner. 

Abgasskandal - "Wir brauchen ganz dringend eine Musterfeststellungsklage" Verbraucherschützerin Jutta Gurkmann erzählt im Video-Interview über die Perspektiven betroffener Diesel-Pkw-Besitzer und Forderungen an die Politik. © Foto: ZEIT ONLINE