Wer schön sein will, muss leiden, sagt eine Volksweisheit. Eine Testfahrt mit dem Pedelec Coboc One Soho hat uns vom Gegenteil überzeugt. Dieses ausnehmend schicke Elektrofahrrad lässt seinen Fahrer sportlich-dynamisch erscheinen, ohne dass sich dieser dafür ins Zeug legen muss. Darüber hinaus räumt das Single-Speed-Rad noch mit einigen Vorurteilen in Sachen E-Mobilität auf.

Eines dieser Ressentiments: Pedelecs sind plump. Filigranes Design – schlicht, funktional und edel – gehört im Pedelec-Segment in der Tat zur Ausnahme. Ein großer Elektromotor, der Akku sowie Schalter und Display am Lenker lassen sich in ein konventionelles Fahrraddesign eben nur schwierig integrieren. Das Soho zeigt jedoch, dass E-Antriebstechnik und Edeloptik auch nahezu perfekt zusammengehen können: Dem Rad sieht man seine Pedelec-Technik kaum an. Sie ist nicht unsichtbar, aber sehr unauffällig.

Der Motor fällt gar nicht auf

Die Batterie zum Beispiel steckt im Unterrohr des aus gebürstetem Aluminium bestehenden Diamantrahmens. Einen 352 Wattstunden großen Lithium-Ionen-Akku würde man in dem ovalen Tubus nicht erwarten. Auch der sehr kompakt gebaute Nabenmotor im hinteren Speichenrad fällt nur etwas größer als manche übersetzungsreiche Nabenschaltung aus. Zudem wirkt der Motor dank Chromhülle wie ein integraler Bestandteil des metallisch glänzenden Bikes. Leitungen und Kabel wurden weitgehend innen verlegt und stören somit den schnörkellosen Anblick kaum.

Ebenfalls gut versteckt sind die Bedienelemente für den Betrieb des E-Bikes: Der Ein- und Ausschalter sowie ein Anschlussport fürs Ladekabel befinden sich an der Unterseite des Oberrohrs. Gut sichtbar sind dagegen auf der Oberseite fünf kleine Leuchtdioden: Sie sind die Füllstandanzeige der Batterie. Diese dezente Lösung reicht aus, den Fahrer über die verbleibende Reichweite zu informieren. Maximal kommt man mit voller Batterie 80 Kilometer weit; leuchtet nur noch eine Diode, reicht der Strom für 16 Kilometer E-Unterstützung.

Ein Display mit vielen Schaltern und Untermenüs erübrigt sich. Auch sonst ist das Soho spartanisch gemacht. Der sportliche, aber nicht unbequeme Sattel von Brooks hat eine Decke aus vulkanisiertem Naturkautschuk und Baumwolle, der Bullhorn-Lenker ist mit Textiltape umwickelt, und vorn und hinten packen kleine CNC-gefräste Felgenbremsen kraftvoll zu. Licht, Gepäckträger oder Gangschaltung? Fehlanzeige. Doch Coboc bietet alternativ auch technisch wie ästhetisch ähnliche Modelle wie das Vesterbro, das zusätzlich mit Schutzblechen, Beleuchtung und anderen nützlichen Accessoires ausgestattet ist.

Das reduzierte Design und die spartanische Ausstattung des Soho bringen allerdings einen entscheidenden Vorteil: Das Pedelec wiegt nur 13,7 Kilogramm und ist damit eines der leichtesten seiner Art, das sich sogar halbwegs mühelos einhändig Treppen hinauftragen lässt.

Es stellt sich die Frage nach dem Einsatzzweck

Dezente LEDs zeigen den Akkustand an. © SP-X/Max Friedhoff

Ebenfalls leicht ist die Bedienung: Es gibt nur an oder aus. Verschiedene Leistungsstufen lassen sich nicht anwählen, die Unterstützung durch den E-Motor (250 Watt, in der Spitze bis zu 500 Watt) hängt allein von der Trittfrequenz ab. Da es sich um ein Single-Speed ohne Alternativübersetzung handelt, muss man, wenn man besonders schnell fahren will, auch besonders schnell treten. Lässt man es darauf ankommen, fährt das Soho mit verblüffender Leichtigkeit auch mal über 40 km/h – bei den meisten Pedelecs schafft man selbst mit großer Anstrengung kaum über 30 km/h. Auch beim Ampelstart kommt man mit leichtem Tritt schnell in Fahrt. So fühlt sich das Bike spritzig an, wie es sich für ein Rennrad gehört.

Für ausgedehnte Touren ist das Single-Speed-Prinzip allerdings ungeeignet, denn eine längere Übersetzung, die eine mäßige Trittfrequenz bei gehobenem Tempo erlaubt, gibt es nicht. Ebenfalls etwas störend: Ohne elektrische Unterstützung gleitet man lautlos dahin, doch wenn der aus chinesischer Produktion stammende E-Motor zusätzlich anschiebt, macht er das mit einem etwas unfeinen elektrischen Surren.

Rad für die Boulevards der Eitelkeiten

Dennoch hat das Soho einen enormen Will-haben-Faktor. Es stellt sich nur die Frage nach dem Einsatzzweck, denn als Tourer, Trainings- oder Fitness-Bike kommt es nicht infrage. Bleibt eigentlich nur die Stadt, doch dort taugt es mangels Schutzblechen und Gepäckvorrichtungen weder für Regen- oder Einkaufsfahrten.

Ein edles Single-Speed-Rad mit Radnabenmotor am Hinterrad © SP-X/Max Friedhoff

Letztlich eignet sich das schicke Pedelec nur als City-Speedbike. Auf den Boulevards der Eitelkeiten, dort, wo das Leben pulsiert, etwa im Englischen Garten in München oder im Prenzlauer Berg in Berlin, verleiht das Soho seinem Fahrer eine besondere Aura. Man fährt dank E-Unterstützung mühelos flott und hinterlässt so einen sportlichen Eindruck, für den man sich nicht anstrengen muss. Kaum jemand würde vermuten, dass der flotte Fahrer seine Vitalität aus einem Akku speist.

An einem Punkt muss der Besitzer aber doch leiden. Dann nämlich, wenn er das Coboc Soho bezahlen muss: Rund 4.000 Euro kostet der Spaß. Für eine Straßenzulassung muss man sich zudem noch eine Klingel anbauen und idealerweise ein paar Akkuleuchten besorgen. Für ein schickes Zweit- oder Drittrad für Fahrten zum Eiscafé oder in den Biergarten ist das viel Geld. Dafür bietet das Soho in Hinblick auf Stil, Technik und Verarbeitung allerdings auch viel Gegenwert.