Zweitens: Der Diesel hat zwar für eine Übergangszeit noch das Potenzial zum Klimaschützer, aber nur, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, zum Beispiel über die Angleichung der Steuer auf Benzin und Diesel. Das wäre auch ein wichtiger Schritt in Richtung Antriebssystem der Zukunft.

Tatsächlich neigt sich nach Lage der Dinge die Ära des Verbrennungsmotors dem Ende zu. Auch er kann zwar klimaneutral betrieben werden – aber nur, wenn er mit synthetischem Kraftstoff gespeist wird, der auf der Basis von regenerativ erzeugtem Strom erzeugt wird. Die Herstellung dieses Kraftstoffs, der in Automobilerkreisen schon als "Wunderdiesel" bezeichnet wurde, kostet allerdings selbst an Standorten, wo erneuerbare Energien in Zukunft am günstigsten zu haben sein werden, zum Beispiel in Nordafrika, wegen der großen Energieverluste beim Herstellungsprozess rund 1,50 Euro pro Liter, vor Steuern. Zum Vergleich: Herkömmlicher, fossiler Kraftstoff ist aktuell für weniger als 40 Cent zu beschaffen.

Es gibt Alternativen zum Verbrennungsmotor

Allein deshalb macht das Autofahren nicht nur energetisch ineffizient, sondern auch deutlich teurer (und damit womöglich zu einem Privileg von Besserbetuchten), wer zu lange auf die Zukunft des Verbrennungsmotors setzt. Tatsächlich kann das Märchen vom billigen Verbrenner nur bei jenen verfangen, die den Gesundheits- und Klimaschutz nicht ernst nehmen. Solange jedoch ambitionierter Klimaschutz auf der Tagesordnung der Weltpolitik steht, wird fast täglich eine Alternative zum Verbrennungsmotor attraktiver: das batterieelektrische Fahrzeug.

Ein Fahrzeug mit Stromsteckdose ist so klimaverträglich wie die Kilowattstunden, die es antreiben. Je CO2-ärmer die Stromerzeugung wird, desto sauberer sind Elektrofahrzeuge unterwegs. Jedes zusätzliche Windrad, jede zusätzliche Kilowattstunde aus neuen, immer billiger werdenden Fotovoltaikanlagen schlägt sich deshalb unmittelbar in einer Verminderung der Emissionen nieder, die den E-Autos zuzurechnen sind. Ein ähnlicher Dekarbonisierungsprozess ist bei den flüssigen oder gasförmigen Kraftstoffen für Pkw-Verbrennungsmotoren nicht in Sicht – Begründung siehe oben.

E-Autos? R.I.P.

Allerdings haben auch batterieelektrische Fahrzeuge einige Nachteile, für die sich die Abkürzung R.I.P. eingebürgert hat – Reichweite, Infrastruktur, Preis. Vom Ruhen in Frieden kann also keine Rede sein: Erstens empfinden viele Menschen die Reichweite der E-Fahrzeuge als zu gering, obwohl die meisten täglich weniger als 50 Kilometer mit dem Auto unterwegs sind, was jedes Elektroauto leicht schafft. Zweitens ist das Netz von Ladepunkten nicht dicht genug. Und drittens sind E-Fahrzeuge deutlich teurer als herkömmliche Pkw. Ein E-Golf kostet rund 30 Prozent mehr als ein vergleichbarer Diesel oder Benziner. Das bremst den Erfolg der E-Fahrzeuge – nach Lage der Dinge allerdings aber nur vorübergehend.

Tatsächlich hat die Weiterentwicklung der Akkutechnik die Reichweite bereits steigen lassen, zur Not tun das auch sogenannte range extender, kleine benzingetriebene Stromgeneratoren, die den Dienst übernehmen können, wenn die Batterie leer ist. Tatsächlich wird die Ladeinfrastruktur nun endlich ausgebaut, mit öffentlichem und mit privatem Geld. Und tatsächlich sind die Batteriekosten in den vergangenen Jahren bereits rapide gesunken, während ihre Energiedichte gestiegen ist – und während Verbrenner wegen der Abgasproblematik eher teurer werden.

Das teuerste Bauteil von Elektrofahrzeugen ist dennoch nach wie vor die Batterie. Weil ihre Kosten allerdings einschlägigen Prognosen zufolge (beispielsweise von Bloomberg New Energy Finance) weiter sinken, werden Elektrofahrzeuge Mitte der 2020er Jahre vermutlich nicht mehr teurer sein als herkömmliche Pkw. Immer mehr Autobauer haben angekündigt, Elektrofahrzeuge sogar bereits ab 2020 zum gleichen Preis verkaufen zu wollen wie vergleichbare Verbrenner. Bei Reparatur und Wartung sind E-Fahrzeuge ohnehin günstiger – zum einen, weil sie viele reparaturanfällige Teile nicht mehr benötigen (z. B. Auspuff, Kupplung, Getriebe), zum anderen, weil der kostenträchtige Wechsel von Öl und Kühlmittel, von Zahnriemen sowie von Zünd- oder Glühkerzen ausgeschlossen und der Bremsenverschleiß deutlich niedriger ist.