Das Hamburger Flugunfallbüro JACDEC (Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre) hat eine gute Nachricht: Die Zahl tödlicher Flugunfälle nimmt ihren Analysen zufolge drastisch ab. In ihrer Studie für das Luftfahrtmagazin Aero International kommt das Büro auf insgesamt 16 Todesfälle seit Januar. Im ersten Halbjahr 2016 lag die Zahl der Unfalltoten in der weltweiten Luftfahrt noch bei 175. Nach einer ohnehin guten Sicherheitsbilanz 2016 sei die Zahl für dieses Jahr ein "sensationell niedriger Wert".

An Bord kommerzieller Linienflüge gab es demnach keinen einzigen Toten: Sämtliche Opfer starben bei Fracht-, Demonstrations- oder regionalen Bedarfsflügen, so die Unfallforscher. Gezählt wurden dabei nur die Menschen an Bord, nicht mögliche Opfer am Boden. "Diese Bestmarke ist umso beeindruckender, da im Durchschnitt der letzten zehn Jahre 286 Menschen in der ersten Jahreshälfte zu Tode gekommen sind", sagte JACDEC-Gründer Jan-Arwed Richter und betonte: "Allein die Toten im Reisebus in Bayern waren mehr als im gesamten Halbjahr des weltweiten Flugverkehrs." Bei dem Unfall Anfang Juli waren 18 Menschen getötet worden. Eine Prognose für das Gesamtjahr abzugeben, sei allerdings verfrüht, räumte Richter ein.

JACDEC registriert und analysiert seit Jahren die Unfälle und schweren Zwischenfälle der Zivilluftfahrt. Erfasst werden dabei alle Flugzeuge mit mehr als 5,7 Tonnen Gewicht oder mehr als 19 Sitzen.

3,7 Milliarden Passagiere im Jahr

Dabei steigt die Anzahl der kommerziellen Flüge und der Passagiere. Im Jahr 2016 waren es bereits 3,7 Milliarden Fluggäste. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) wollen die deutschen Fluggesellschaften in den nächsten Jahren in 214 verbrauchsärmere Flugzeuge investieren. "Die Statistik zeigt in der Tat, was wir schon seit Langem wissen: dass das Fliegen sicher ist", sagt Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit. Es sei jedoch eine Momentaufnahme, die nicht das Gesamtbild abbildet. "In der Statistik werden ja nur die Unfälle aufgelistet, das spiegelt einfach nicht das Sicherheitslevel der gesamten Industrie wider."

Von Airline zu Airline werde sehr unterschiedlich mit Fehlern umgegangen. "Es gibt Airlines, die ihre Piloten da gehörig unter Druck setzen, um nicht über Fehler zu reden – das ist für die Sicherheitskultur nicht gerade förderlich", sagt Wahl. Außerdem könne der steigende Einsatz von Drohnen die Flugsicherheit gefährden. Die Deutsche Flugsicherung schätzt, dass dieses Jahr 600.000 neue Drohnen in Deutschland eingesetzt werden könnten. "Statistisch ist es nur eine Frage der Zeit, wann es da zur ersten Kollision mit einem Verkehrsflugzeug kommt", so Wahl.