Das Angebot von Volkswagen, einst manipulierte Diesel nur mit einer Verbesserung der Software nachzurüsten, könnte gravierende Folgen für die Kunden haben. Dies haben Recherchen der ZEIT ergeben. Herstellern, die sich einer wirkungsvollen Nachrüstung verweigern und es nur bei dem Softwareupdate belassen, drohen demnach Fahrverbote für bestimmte Modelle.

"Ein Update der Software wird nicht reichen", sagte ein Teilnehmer des Dieselgipfels der ZEIT. "Gerade die Euro-5-Diesel blasen so viel Abgase raus, dass sie damit künftig nicht mehr in jede Stadt fahren dürfen."

Der Verkehrsexperte Axel Friedrich bestätigt diese Einschätzung: "Neuere Modellreihen von Mercedes und Volkswagen sind oft sogar dreckiger als ältere Euro-4-Diesel." Betroffene Fahrer müssten sich deshalb eigentlich vor jeder Fahrt darüber informieren, ob sie etwa auf einer Dienstreise überhaupt noch in eine bestimmte Stadt hineinfahren dürfen.    

Die führenden deutschen Autohersteller – neben dem VW-Konzern auch BMW und Daimler – hatten beim Dieselgipfel in der vergangenen Woche Maßnahmen zur Schadstoffminderung zugesagt. Dazu gehören "umfassende und zügige" Updates an der Steuersoftware von etwa 5,3 Millionen Pkw der Schadstoffnormen Euro 5 und 6 sowie eine eigenfinanzierte Prämie für den Umstieg von alten Diesel-Fahrzeuge auf schadstoffärmere Modelle.

Fachleute gehen davon aus, dass die Rabattaktionen neben der der Reduzierung giftiger Stickoxide auch einem anderen Zweck dienen: die Verkaufszahlen von Dieselfahrzeugen zu erhöhen und die Bilanzen der Konzerne zu entlasten. Als Eigentümer geleaster Autos entstehen zum Beispiel VW hohe finanzielle Risiken, wenn der Verkaufswert älterer Gebrauchswagen sinkt. "Mit diesem Programm tut Volkswagen vor allem etwas für viele Vertragshändler, die sich außerstande sehen, die Altautos noch anzukaufen, weil sie danach praktisch unverkäuflich sind", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg, der ZEIT.

"Immer noch schmutzig"

Sein Kollege Stefan Bratzel erwartet neben einer besseren Auslastung der Autohersteller auch einen positiven Effekt für die Umwelt – wenn nicht zu viele deutlich leistungsstärkere Modelle wie SUVs verkauft würden. "Bei den neuen Fahrzeugen dürfte der Stickoxidausstoß sowie der Verbrauch und damit die Co2-Emissionen niedriger sein", sagte der Branchenexperte von der Fachhochschule Bergisch-Gladbach der Deutschen Presseagentur.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) widerspricht. Er sehe keine Grundlage, den Kauf von Dieselfahrzeugen zu empfehlen, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch dem Sender Bayern2. Schließlich seien Dieselfahrzeuge auf der Straße immer noch schmutziger als im Labor. "Also wir raten ganz dringend ab, einen einzigen der derzeit angeboten Diesel zu kaufen." Resch forderte die Autohersteller auf, die Umweltprämie an einen umweltfreundlichen Antrieb zu koppeln. "Deswegen sollte aus der Umweltprämie Diesel konsequent ausgeschlossen werden, wenn die Autohersteller es wirklich ernst meinen", sagte er.