Während in den Fahrradläden zurzeit noch Hochsaison herrscht, testen die Händler am Bodensee bereits die Räder der kommenden Saison. Es ist Eurobike in Friedrichshafen, eine der größten Fachmessen der Welt rund ums Rad. Das große Thema dort ist die Integration: Wie macht man E-Bikes schicker und gleicht sie optisch mehr herkömmlichen Rädern an, um sie nicht auf den ersten Blick als Elektrovariante zu outen? Und wie funktioniert eigentlich die Feinabstimmung zwischen Fahrer und Motor?

ZEIT ONLINE hat drei der neusten Pendlermodelle getestet, um diese Fragen zu beantworten. Das X Commuter von Klever und das E-Silence Evo Bike von Scott wurden dafür jeweils zwei Wochen im Alltag getestet, für viele kurze Strecken und einige längere Strecken. Das Berleen von Kalkhoff wurde auf verschiedenen Teststrecken der Eurobike gefahren.

1. X Commuter von Klever (ab 3.600 Euro)

Montagmorgen acht Uhr, ich habe einen Termin in Hamburg. Mit dem X Commuter fahre ich 20 Kilometer auf schmalen Landstraßen durchs Alte Land, der morgendliche Berufsverkehr ist bereits abgeflacht. Fünf Autos überholen mich auf meiner Tour durch die Apfelplantagen an diesem Morgen. Auf den ersten 15 Kilometern ist es ruhig. Ungewohnt ruhig. Und das liegt am Motor.

Während die meisten E-Bikes heute mit Mittelmotor unterwegs sind, setzt Klever weiterhin auf den hauseigenen Hinterradantrieb. Der 250-Watt-Biactron-Heckmotor schiebt fast lautlos. In der Stadt übertönt Verkehrslärm summende Motoren. Hier auf dem Land höre ich von dem X Commuter nur das Surren der 27,5-Zoll-Reifen. So geht Radfahren mit Motor.

X Commuter von Klever (ab 3.600 Euro) © Klever

Etwas später in der Innenstadt beschleunigt der Motor an jeder Ampel mit viel Schub. Zum Anfahren reicht Stufe eins von fünf, der Eco-Modus. Insbesondere, wenn man in größeren Gruppen wartet. Hält man jedoch allein in erster Reihe, kann man auch mit höherer Unterstützung locker lossprinten.

Fein abgestimmtes Fahrverhalten

Die Unterstützungsstufen sind gut dosiert. Im höchsten Modus schwimmt der Fahrer bei leichtem Treten im Stadtverkehr mit. Der große Vorteil des Motors: Bei 25 km/h drosselt er langsam ab und steigt erst bei etwa 27 km/h komplett aus. Damit nutzt der Hersteller die Toleranzgrenze des Gesetzgebers. Das Besondere beim X Commuter ist, dass der Übergang nicht spürbar ist. Der Fahrer tritt einfach weiter und steigert weiter seine Geschwindigkeit, ohne deutlich mehr Kraft aufs Pedal bringen zu müssen. Sinkt die Geschwindigkeit, setzt der Motor nahtlos wieder ein. In der Branche ist dieses fein abgestimmte Fahrverhalten noch immer eher die Ausnahme.

Die Sitzposition beim X Commuter ist jedoch extrem sportlich. Das muss man mögen und gewohnt sein – sonst sind die Nackenschmerzen programmiert. Dafür erkennt man ein Klever-E-Bike auf den ersten Blick. Der viereckige Akku mitten im Rahmen ist ein Alleinstellungsmerkmal und hat damit einen extrem hohen Wiedererkennungswert. Das ist selten bei Fahrrädern.

2. E-Silence Evo Bike von Scott (4.200 Euro)

Ebenfalls sehr sportlich, aber weniger gestreckt, sitzen die Fahrer auf dem E-Silence Evo Bike des Herstellers Scott. Bei diesem Rad haben die Entwickler die Integration perfektioniert. Der 508-Wattstunden-Akku sitzt erstaunlich schlank im Unterrohr. Da voluminöse Rahmen zurzeit modern sind, outet sich das E-Silence Evo erst beim genauen Hinsehen als E-Bike. Der Motor ist ebenfalls extrem leise beim Fahren. Nur bei steilen Anstiegen hört man ein leichtes Motorsummen.

E-Silence Evo Bike von Scott (4.200 Euro) © Scott

Das Evo Bike fährt sich etwas ruppiger als der X Commuter, vor allem auf unebenem Untergrund wie Kopfsteinpflaster. Wer gerne komfortabel unterwegs ist, stört sich daran. Sportliche Fahrer oder Mountainbiker federn die Stöße jedoch automatisch über die Arme ab.

Durchdacht und praktisch ist das minimalistische Bedienelement für Motor und Licht. Es ist nur halb so groß wie eine Streichholzschachtel und einfach und intuitiv zu bedienen. Bei der Trittfrequenz kann der Fahrer zwischen drei voreingestellten Optionen wählen: langsam, zügig, schnell. Das Spektrum ist ungewohnt klein, aber reicht für Pendler im Stadtverkehr völlig aus.

Das E-Silence Evo ist ein solides, sportliches Pendlerrad für den Stadtverkehr. Stutzig macht mich jedoch der lackierte Akku. An dem Testrad war ein Faltschloss ans Sitzrohr montiert. Beim Herausnehmen bin ich damit nur leicht an den lackierten Akku gestoßen, was sofort ein kleines Stückchen Lack abspringen ließ. Das ist ärgerlich und sollte bei einem Rad für 4.200 Euro nicht passieren.