Der Nürnberger Spielzeugfabrikant Kurt Hesse kann demnächst unter dem Markennamen Testarossa Zweiräder, Rasierer oder eben Spielzeug verkaufen – wie es ihm beliebt. Der Sportwagenhersteller Ferrari hat gegen Hesse einen Rechtsstreit um den ursprünglichen Modellnamen jedenfalls verloren – zumindest vorerst. Das Düsseldorfer Landgericht entschied, dass Ferrari einwilligen müsse, seine deutsche und die internationale Marke Testarossa zu löschen. Den Italienern bleibt allerdings noch der Gang in die Berufung zum Oberlandesgericht. 

Die Gerichtssprecherin in Düsseldorf erläuterte die Entscheidung der Kammer damit, dass Ferrari die Marke in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr ausreichend genutzt habe. "Eine Marke muss genutzt werden, damit sie geschützt bleibt. Das hat das Unternehmen hier nicht getan."

Vor dem Düsseldorfer Gericht hatte Ferrari damit argumentiert, man sei nach wie vor mit der Wartung, Reparatur und Aufbereitung der Testarossas beschäftigt. Damit würde man die Marke tatsächlich nach wie vor nutzen. Die Richter sahen das anders. Das Unternehmen erbringe diese Dienstleistungen nämlich unter der Dachmarke Ferrari. Der Umfang der Nutzung von Testarossa im Ersatzteilgeschäft habe darüber hinaus einen zu geringen Umfang.

Der Nachrichtenagentur dpa sagte der Nürnberger Unternehmer: "Das freut mich schon sehr." Hesse hatte sich die Markenrechte an Testarossa gesichert. Dagegen legte Ferrari Widerspruch ein. Hesse wiederum reagierte mit einem Antrag auf Löschung der alten Marke Testarossa beim Deutschen und beim Europäischen Markenamt – und bekam nun recht.

Künftig Testarossa-Fahrräder und Rasierer

Der Unternehmer Hesse will den Modellnamen künftig für Fahrräder, E-Bikes und Rasierer nutzen. Das verriet er der deutschen Presseagentur. Hesse war früher der Eigentümer der ebenfalls bekannten Carrera-Rennbahn-Produktion. Inzwischen leitet er die Autec AG in Nürnberg. Das Unternehmen stellt unter anderem ferngesteuerte Schiffe, Autos und Flugmodelle her.

Ferrari hatte sein Testarossa-Modell in Italien von 1984 bis 1996 gebaut. Der Testarossa hatte bis zu 446 PS, zwölf Zylinder und konnte damit auf 290 Stundenkilometer beschleunigen. Übersetzt aus dem Italienischen heißt Testarossa roter Kopf oder rote Spitze. Den Namen gab man dem Wagen wegen der roten Kappen auf den Zylinderköpfen.

Besitzer und ausdrücklich Fans des Autos waren unter anderem der französische Schauspieler Alain Delon und der britische Sänger und Komponist Elton John. Kultstatus erlangte der Testarossa durch seine Dauerauftritte als Dienstwagen der Polizei in der TV-Serie Miami Vice. Der US-amerikanische Rapper und Musikproduzent Sir Mix-a-Lot hatte auf seinem dritten Album Mack Daddy, erschienen im Jahr 1992, dem Testarossa gar einen eigenen Song gewidmet.

Die heutige Entscheidung "muss die Alarmsirenen bei allen Herstellern schrillen lassen, die bekannte Marken besitzen, diese aber nicht mehr nutzen", sagte der Markenrechtler Georg Jacobs. Unternehmen dürften sich nicht auf ihren Marken-Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. "Nur, wer seine Produktmarke regelmäßig nutzt, erhält ihre Wertigkeit", sagte Jacobs. Im Extremfall könne andernfalls sogar ein direkter Wettbewerber die Marke für sich nutzen.