Zweifelsfrei gibt es günstigere Roller als eine Vespa. 6.000 Euro sind eine Menge Geld für die GTS 300, das größte und stärkste Modell des italienischen Konzerns Piaggio. Produkte aus Fernost bekommt man in dieser Klasse für die Hälfte. Aber die kommen bei den Deutschen nicht an. Die italienische Wespe sticht bei der Beliebtheit alle anderen aus: Seit Jahren steht die GTS 300 auf Platz eins bei den Neuzulassungen hubraumstarker Roller. 2015 wurden 3.455 dieses Modells bei uns zugelassen, 2016 waren es noch einmal tausend mehr. Auch der zweitbeliebteste Roller ist eine Vespa.

Woher kommt dieser Erfolg? Wir sind zwei Wochen die größte und stärkste Wespe gefahren, die GTS 300, um herauszufinden, wie alltagstauglich die italienische Wespe ist. Kann der Roller vielleicht sogar einen Zweitwagen ersetzen?

Vor 71 Jahren hat Piaggio seine erste Vespa vorgestellt. Seitdem ist ihr Design zwar moderner geworden, aber eine Vespa von damals erkennt man auch heute noch eindeutig als solche. Ihre legendäre Form beruht nicht auf einem genialen Design, sondern auf rein praktischen Überlegungen: Die Ur-Vespa sollte vor Schmutz schützen, einfach zu bedienen und leicht zu fahren sein. Das alles tut sie auch heute noch in überzeugender Manier.

Die kleinen Räder machen den Roller wendig. Der Durchstieg ist bequem, die Verkleidung hält Regen- und Spritzwasser ab und die Bedienung ist kinderleicht. Zündung ein, Handbremse ziehen, Starterknopf drücken, Gas geben. So einfach ist Rollerfahren. Die Vespa hat eine stufenlose Automatik, vorne und hinten ABS sowie eine Traktionskontrolle. Mit ihr zu fahren macht einfach Spaß – abgesehen von einem kleinen Manko: Die Sitzhöhe wird, gerade für kleinere Fahrer, schnell zum Problem. Selbst bei einer Körpergröße von 180 cm erreicht man nur mit weit ausgestreckten Füßen den Boden auf beiden Seiten.

Die bequem gepolsterte und ausreichend breite Sitzbank lässt sich nach vorne aufklappen. Geöffnet wird sie bei eingeschalteter Zündung an einem Knopf neben dem Zündschloss. Die elektronische Verriegelung ist praktisch, das Stauvolumen unter dem Sitz ausreichend für den täglichen Einkauf. Ein Kopfschutz passt in Form eines Jethelms leicht hinein, wenn das Visier hochgeklappt ist. Das Konzept des Rollers ist durchdacht, man stellt es an vielen Kleinigkeiten fest. Wer mehr Stauraum braucht, nutzt den serienmäßigen und umklappbaren Gepäckträger. Ein kleines Staufach unterhalb des Zündschlosses eignet sich für Papiere, Geldbeutel und Sonnenbrille. In und auf die Vespa passt, was man im Alltag braucht. Der Platz auf der Rücksitzbank reicht locker für zwei. Für die Beine des Sozius gibt es ausklappbare Fußrasten.