Worüber der Wahlkampf besonders konsequent schweigt, wird die Regierung in den kommenden vier Jahren am meisten beschäftigen. Persistenter Plastikabfall, Kohleverbrennung, digitale und soziale Spaltung der Gesellschaft, Bezahlmodus der erneuerbaren Energien – all das kommt in den Wahlkampagnen so gut wie nicht vor. Und natürlich gehört auch die Autofrage dazu, trotz großer Präsenz in den Medien.

Noch beschäftigen sich die Automobilisten viel zu sehr mit Betrug, Hintergehung, Kartell und Gesundheitsgefahren – und viel zu wenig mit Zukunft, Nachhaltigkeit und Transformation. Ist das Updaten von Dieselsoftware wirklich schon ein Ausweis von Zukunftsfähigkeit? Ist es damit getan, einen Fossilprotz durch einen Elektro-SUV zu ersetzen? Warum verkleiden sie die Elektrovarianten als bessere Fossilautos und verschleiern so das überfällige Redesign des Autos?

Dieselgipfel hat den Schaden noch vergrößert

Wenn es um die Wandlung ihres Geschäftsmodells geht, sind die Automobilkonzerne in ihrer Gesamtheit immobil – trotz beachtlicher Unterschiede zwischen den einzelnen Firmen. Auch die Dieselgipfel im Vorwahlkampf konnten diese Trägheit nicht überwinden, sie führten von der Lösung weg statt zu ihr hin. Die Politik wollte die Unternehmen schonen – und hat so den massiven Reputationsschaden der Industrie nur noch vergrößert.

Dabei ist das Dieselproblem größer als die bloße Debatte um Technik und Fahrverbote. Die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen weltweit ist eine Realität, die ein entspanntes Zusehen aus sicherer Distanz nicht mehr zulässt. Der lebensbedrohliche Klimawandel ist nicht bloß einigen bösen Mächten anzukreiden, sondern das Ergebnis von breitem Konsumniveau und von Unternehmensentscheidungen für lukrative, aber umweltschädliche Produkte.

Das Auto steht vor einer grundlegenden Veränderung

All das macht unseren Wohlstand so prekär, dass durchaus unklar ist, was genau die Erbengeneration unserer Kinder und Enkel eigentlich erben wird, außer einer Menge Geld.

Das ist der eigentliche Kontext der Autodebatte. Rund um das Automobil steht eine grundlegende Veränderung an, eine Transformation. Ob mit oder ohne Diesel, ob mit oder ohne bessere Messtechnik, ist letztlich nicht entscheidend. Die Transformation berührt vielmehr Einstellungen und Erwartungen, Verantwortung und Vorsorge, Alltagssicherheit und Kompetenz, Verteilungsgerechtigkeit und Bezahlbarkeit.