E-Bikes boomen in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 600.000 in Deutschland verkauft. Einigen Fahrern reicht die Geschwindigkeit von maximal 25 Kilometern pro Stunde jedoch nicht aus. Sie greifen zum Tuningkit und verdoppeln bis verdreifachen die Spitzengeschwindigkeit ihres E-Bikes. Früher nannte man das frisieren. Das klingt retro und harmlos, ist es aber in Wahrheit nicht.

Ein Beispiel: Mitte September fuhren Polizisten durch Berlin-Köpenick, als ein Mann etwa bei Tempo 45 an ihnen vorbeijagte – auf einem schlichten E-Bike ohne heftig in die Pedale zu treten. Die Beamten stoppten ihn und kassierten das Fahrzeug ein. Es war frisiert. Wer schneller als 25 Kilometer pro Stunde fährt, gilt rechtlich als Fahrer eines Kleinkraftrades. Und die müssen andere Regeln beachten: Der Fahrer braucht einen Führerschein und muss einen Helm tragen. Er muss die Straße benutzen und versichert sein. Fehlt Letzteres, droht im bis zu einem Jahr Gefängnis.

Die Anbieter von Tuningsets wissen das. Sie warnen ihre Kunden, die Kits nur auf einem Privatgelände oder für Rennveranstaltungen zu verwenden. Zeitgleich werben sie damit, dass ihre Module im Handumdrehen an- und wieder abgebaut werden können. Aber selbst wenn das Tuningset entfernt wurde, können Fachleute die Manipulationen der Motoren nachweisen. Wer tunt, verliert Garantie und Gewährleistung für sein E-Bike.

Getunte Räder sind kaum erkennbar

Tatsächlich sind Tuningsets sehr klein und auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Etwa der USB-Key, der gerade mal so groß ist wie ein USB-Stick und direkt an den Motor angeschlossen wird. Der sogenannte Dongle sieht aus wie der Klinkenstecker eines Kopfhörers und ist in etwa auch so groß. Die Montage sämtlicher Module ist selbst für Laien machbar.

Die Funktionsweise der verschiedenen Tunings ist simpel. Ab einer Geschwindigkeit von etwa 18 Kilometern pro Stunde wird das auf dem Display angezeigte Tempo für das E-Bike halbiert. Somit schaltet die Motorunterstützung nicht bei 25 Kilometern pro Stunde ab, sondern erst bei 50 oder mehr.

Der Verkauf von Tuningsets ist legal. "Wer zwischen 100 und 200 Euro investiert, kann aus seinem Pedelec innerhalb von zehn Minuten ein S-Pedelec machen", sagt Ernst Brust, Geschäftsführer des Prüfinstituts Velotech und Gerichtssachverständiger. Er warnt aber: "Die Räder sind aber für die hohen Geschwindigkeiten nicht gemacht." Bei einfachen E-Bikes würden die Gabeln aufgrund der hohen Geschwindigkeiten schneller ermüden und damit brechen. "Wer mit 50 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, braucht extrem viel technisches Können", warnt auch Arne Sudhoff, Sprecher von Derby Cycle, Deutschlands größtem Fahrradhersteller.