Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet mit einem sprunghaften Anstieg der Verkäufe von Elektroautos. Wie bei der Solarenergie werde man keinen linearen, sondern eher einen exponentiellen Anstieg haben, sagte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Gleichzeitig räumte sie ein, dass es noch kein breites Angebot an Elektroautos und Mangel in der Ladeinfrastruktur in den Städten gebe. "Der Anfang gestaltet sich schwierig und langsam", sagte Merkel. Trotzdem glaube sie an eine Besserung in naher Zukunft.

Die Kanzlerin sagte, sie erwarte von den Autoherstellern, dass sie ihre Forschung noch stärker auf alternative Antriebe ausrichten. Besonders auf den asiatischen Märkten gäbe es hier schon eine große Diskussion. Die deutsche Autoindustrie dürfe nicht den Anschluss verlieren. Die Branche stehe in den nächsten Jahrzehnten "vor einem großen Umbruchprozess", sagte Merkel.

Auf der anderen Seite müssten auch die klassischen Verbrennungsmotoren weiterentwickelt werden. "Das richtige Maß und die richtige Mitte zu finden" werde eine der herausragenden Aufgaben der Automobilindustrie sein, sagte die CDU-Vorsitzende.

"Fokussieren nicht auf Elektromobilität"

Merkel betonte, dass die Bundesregierung bei den alternativen Antrieben offen für verschiedene Technologien sei. "Das heißt, wir fokussieren uns nicht ausschließlich auf die Elektromobilität, sondern wir warten, ob auch vielleicht die Brennstoffzelle oder synthetische Kraftstoffe eine Rolle spielen werden", sagte die Kanzlerin.

Mit Blick auf den Skandal um manipulierte Abgaswerte forderte sie, dass Fehler wiedergutgemacht werden. "Da haben wir noch erheblich zu tun", ergänzte Merkel. Zugleich betonte sie die Bedeutung der Automobilindustrie als "wichtige Säule unseres wirtschaftlichen Erfolgs".

Merkel wird am Donnerstag in Frankfurt am Main die Internationale Automobilausstellung (IAA) eröffnen. Die weltweit wichtigste Automesse steht unter dem Eindruck des Abgasskandals und der Debatte um Fahrverbote in deutschen Städten.