Die Welt des Automobils ist kleiner geworden – zumindest auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die am 16. September in Frankfurt am Main beginnt. Acht Hersteller haben ihre Teilnahme auf der einst so bedeutsamen Messe abgesagt, darunter namhafte Unternehmen wie Fiat, Alfa Romeo, Peugeot, Nissan, Volvo und Rolls-Royce.

Trotzdem besteht kein Grund zur Langeweile. Dafür sorgen eine Reihe neuer Unternehmen, die erst in den letzten Jahren gegründet wurden und angetreten sind, die Autoszene zu revolutionieren. Auf der IAA wird man viele Start-ups finden, die sich in Technologiefelder wagen, in denen die großen Autokonzerne bisher nicht mit serienreifen Lösungen oder besonderen Ideen glänzen konnten: Digitalisierung, Vernetzung und – vor allem – Elektromobilität.

Das in Deutschland wohl bekannteste Start-up-Projekt ist der Streetscooter, ein elektrisch betriebener Kleinlieferwagen für den Stadt- und Kurzstreckenverkehr. Mitte 2010 hatten zwei Wissenschaftler der Technischen Hochschule in Aachen das Unternehmen als Forschungsinitiative gegründet, und schon vier Jahre später konnten sie die ersten Modelle an die Stadt und die dortige Sparkasse ausliefern. Dann wurde die Deutsche Post auf das Start-up-Unternehmen aufmerksam, kaufte es und beschloss, den E-Transporter in Serie zu produzieren. Inzwischen plant Streetscooter eine zweite Fabrik und will jährlich bis zu 20.000 Fahrzeuge herstellen. Zuvor hatte die Post vergebens versucht, einen der großen Autohersteller für die Entwicklung und Produktion eines solchen Lieferwagens mit Elektroantrieb zu begeistern. Bei dem Jungunternehmen gelang beides innerhalb weniger Monate.

Eine solche Erfolgsgeschichte spornt jetzt erneut ein Team der Aachener Hochschule an, das als e.Go-Mobile AG firmiert und einen Elektrokleinwagen entwickelt hat. Es ist einen wendiger Viersitzer mit 130 Kilometern Reichweite, der nur 15.900 Euro kostet und damit weitaus günstiger ist als vergleichbare Modelle der großen Automarken. Den Antriebsstrang für den e.Go Life liefert Bosch. Das Unternehmen wird auch den Kundendienst der Autos übernehmen, sobald 2018 die ersten Exemplare aus der neu gebauten Fabrik gerollt sind. "Unser Elektroauto wurde in einem Drittel der Zeit und nur mit einem Zehntel der branchenüblichen Kosten entwickelt", beschreibt Firmenchef Günther Schuh den Vorsprung seines kleinen Unternehmens, der seiner Meinung nach auf "hochiterativen Entwicklungsprozessen und eng vernetzten Fertigungsabläufen" gründet.

Nicht an einer Hochschule, sondern in der Garage der Eltern entstand 2016 das Auto-Start-up Sono Motors. Dort begannen die Studenten Laurin Hahn und Jona Christians einen Plan zu realisieren, den sie sich schon während ihrer Schulzeit ausgedacht hatten: die Entwicklung eines Elektroautos, das einen Teil seiner Strecken mit Sonnenenergie zurücklegt. Das Ergebnis ist ein etwa 4,10 Meter langer Kompaktwagen mit fünf Sitzplätzen, den die Jungunternehmer Sion nennen. Ihr Finanzierungsproblem lösten sie mit einer Crowdfunding-Kampagne, die bisher rund 700.000 Euro einbrachte.

Dass die Technik ihres Sion funktioniert, beweist die Münchener Firma derzeit bei einem sogenannten Testdrive in verschiedenen deutschen Großstädten. Mit insgesamt 330 Solarzellen auf dem Dach und der Motorhaube sowie an den Türen wird die Batterie wieder aufladen, so dass sich die Reichweite um bis zu 30 Kilometer verlängern soll. Mit Akku kostet der 80 Kilowatt starke Viertürer rund 20.000 Euro; ab 2019 könnte er in Serie gehen, wenn bis dahin bei dem Start-up-Unternehmen mindestens 5.000 Vorbestellungen eingegangen sind.