An der Ampel wartet die Vergangenheit: ein Peugeot Speedfight, klassischer Motorroller. Der Auspuff stottert und stinkt. Ich gebe meinem Elektroroller, der den Namen Constanze trägt, einen kleinen Impuls am Griff. Beinahe lautlos gleite ich bis neben den anderen Roller an die Haltelinie. Ich mustere verächtlich den Speedfight, der junge Fahrer in Jeansjacke erwidert den Blick in Richtung Constanze.

Als das Signal auf Gelb springt, geben wir Gas. Äh, Strom in meinem Fall. Constanze enttäuscht mich nicht und saust ohne Verzögerung los. Auch wenn der Speedfight nach hundert Metern davonzieht, bin ich zufrieden mit Constanze. Der Speedfight röhrt, als ginge es um Lautstärke und nicht um Fortbewegung, Constanze summt auch bei ihrer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern nur sanft.

Auf Berliner Straßen sieht man seit einigen Monaten vermehrt Roller vorbeisausen, die wie Constanze summen. Der Anbieter Emmy hat 350 Stück in der Stadt, alle in rot. Bald sollen 400 weitere dazukommen. Die Flotte von Konkurrent Coup umfasst tausend E-Roller, alle schwarz. Angefangen hat Emmy mit 150 Rollern im Juni 2015. Auch in Hamburg, München, Düsseldorf, Stuttgart und Mannheim ist Emmy vertreten. Coup neben Berlin auch in Paris.

Den Führerschein verifiziert man per App – eigentlich

Die Kunden müssen nicht von Station zu Station fahren, sondern können die Roller überall innerhalb des S-Bahn-Rings abstellen. Dort kann sie dann der nächste Nutzer wieder ausleihen. Eine App der jeweiligen Anbieter zeigt, wo der nächste Roller steht. Vorher muss man sich registrieren und den Führerschein verifizieren. Auch das soll über die App funktionieren, ist allerdings nicht so einfach, wie es zunächst klingt.

Bei Coup wird mein Führerschein nicht erkannt, bei Emmy ist das Video, das ich vom Führerschein machen soll, auch beim zehnten Versuch unscharf. Auf der Emmy-Homepage stehen immerhin Orte, an denen ich den Führerschein persönlich vorzeigen kann. Das nimmt mir auch die Entscheidung über den Anbieter ab. Es wäre auch möglich, sich über Skype zu verifizieren.

Die Registrierung kostet zehn Euro, dafür erhält man 100 Minuten freie Fahrt. Danach kostet es 19 Cent pro Minute oder 59 Cent pro angefangenen Kilometer, je nach dem, was günstiger ist. Bei Konkurrent Coup zahlt man drei Euro für die erste halbe Stunde, danach einen Euro je zehn Minuten.

Ich könnte noch jemanden mit einem großen Kopf mitnehmen

Nach der Registrierung schaue ich, wo die nächsten Roller bereitstehen. Ich habe Claus und Constanze zur Auswahl. Beide haben nur knapp zwanzig Prozent Batterie, erfahre ich gleich in der App – wie weit komme ich damit? Auf der Homepage steht: "Ein Prozent Akku reicht für etwa einen Kilometer Fahrstrecke." Na dann. Die Roller müssen zum Laden übrigens nicht zu einer Steckdose: Emmy-Mitarbeiter fahren durch Berlin und tauschen die Akkus mit weniger als zehn Prozent Ladung gegen volle aus, sagt Gründer Valerian Seither.

Ich reserviere Constanze, die etwas näher steht. 15 Minuten habe ich nun Zeit, um zu ihr zu gehen. Sie wartet in einer Allee auf dem Bürgersteig auf mich. Per App öffne ich die Gepäckbox, in der neben dem Zündschlüssel ein großer und ein kleiner Helm liegen. Ich könnte also noch jemanden mitnehmen. Wenn er einen großen Kopf hat. Bei den Rollern von Coup ist nur ein Helm dabei. Schlüssel in der Zündung drehen (die keine Zündung ist), Ständer hochklappen, es kann losgehen.