Geradeaus bis zur nächsten Kreuzung, dort links abbiegen und auf keinen Fall den Schulterblick vergessen! Fast jeder erinnert sich an seine ersten Fahrstunden. Das Auto mitten auf der Straße abzuwürgen gehörte genauso dazu, wie anderen Fahrern unabsichtlich die Vorfahrt zu nehmen. Zum Glück war der Fahrlehrer immer mit dabei.

Tausende Fahrschüler begleitet ein Fahrlehrer in seinem Arbeitsleben bis zur Prüfung. Doch seit einigen Jahren schlägt der Bundesverband der Fahrlehrer Alarm: Es fehle an Nachwuchs, zahlreiche Fahrschulen müssten schließen. Die Landesverbände sprachen anfangs von einer nötigen Konsolidierung der Märkte. Zu viele Fahrschulen für zu wenig Interessierte, logisch, dass da der ein oder andere dicht machen musste.

Auch der Bundesverband glaubte anfangs an eine Konsolidierung, ist heute aber wesentlich skeptischer. Zahlen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) zeigen, dass die Zahl der Fahrlehrer zwischen 2011 und 2016 von 55.000 auf 45.000 zurückgegangen ist. Viele Fahrlehrer werden in Kürze das Rentenalter erreichen. Mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren scheint die Branche hoffnungslos überaltert. Mehr als 8.000 Menschen und damit fast jeder sechste mit einer Fahrlehrererlaubnis ist sogar älter als 65 Jahre.

Friedel Thiele, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Westfalen, sagt, letzten Endes regle den Bedarf an Fahrlehrern noch immer der freie Markt. Der Konkurrenzdruck auf regionaler Ebene sei noch immer hoch. "Oft findet der Kunde vor Ort nicht nur eine, sondern auch zwei, drei vier oder sogar fünf Fahrschulen." Einen Mangel sehe er nicht, so Thiele. Im Gegenteil: Die Konkurrenzsituation drücke in manchen Regionen sogar das Preisniveau. Das sei gut für die Schüler, aber schlecht für die Fahrlehrer. Manch einer müsste über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten, um sich etwas hinzuzuverdienen.

Aussagekräfte Zahlen über die Branche gibt es indes nicht. Nicht einmal der zuständige Bundesverband kann sagen, wie akkurat die Angaben des KBA sind – denn ein bundesweites Register gibt es nicht. Das KBA erfasst lediglich, ob jemand eine Erlaubnis hat, als Fahrlehrer zu arbeiten. Ob er den Beruf aber ausübt und wenn ja, ob in Voll- oder Teilzeit, das ist nicht erfasst, sagt Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. "Wir schätzen, dass es momentan 25.000 aktive Fahrlehrer gibt, von denen gut ein Drittel in Teilzeit arbeitet", sagt Bressensdorf. Zudem gehe er davon aus, dass jedes Jahr etwa 1.000 Fahrlehrer in Rente gehen, während nur 500 nachkommen.

Einer der Gründe dafür: Die Bundeswehr bildet seit Kurzem keine Fahrlehrer mehr aus. Dort kam früher ein Großteil des Nachwuchses her. Im vergangenen Jahr waren von den 45.000 Menschen mit aktiver Fahrlehrererlaubnis gerade einmal knapp 180 im Alter zwischen 18 und 24. Geht man davon aus, dass die Statistik eher zu viele als zu wenige listet, wird das Problem umso größer.