Auf der IAA präsentieren Autohersteller und Zulieferer viele Lösungen für die Mobilität von morgen. Bei ihnen spielen vor allem Vernetzung, Autonomie und die Elektrifizierung der Antriebe eine große Rolle. Das alles ist spannend, doch handelt es sich letztlich um recht bodenständige Ansätze, wenn man sie mit den Ideen dreier eigentlich branchenfremder Anbieter auf der IAA vergleicht: Volocopter, Aeromobil und PAL-V wollen die Mobilität allesamt auf anderem Wege revolutionieren – durch die Luft.

Vor der Halle des Daimler-Konzerns steht etwa eine Riesendrohne mit einer Zwei-Personen-Kabine von Volocopter. Das Start-up aus dem süddeutschen Bruchsal, an dem sich Daimler erst kürzlich mit einer kräftigen Finanzspritze beteiligt hat, stellt die bereits serienreife Version namens 2X vor, die voraussichtlich schon 2018 in Deutschland auf den Markt kommen soll. Bei der mehrere Hunderttausend Euro teuren Serienvariante handelt es sich um ein Sportgerät, ohne Sportpilotenlizenz geht bislang also nichts. Der von 18 Rotoren angetriebene Flieger verfügt über neun Batterien, die eine Flugzeit von gut einer Stunde erlauben.

Flugtaxi von Hochhausdächern

Vorläufig braucht es dafür einen Piloten, doch Volocopter will den 2X zum autonomen Flugtaxi weiterentwickeln, das seine Gäste über Staus hinweg besonders schnell zum Ziel bringen soll. Einsatzgebiete für ein solches Taxi könnten Mega-Städte in Asien oder Südamerika sein. Passagiere könnten dann auf kleinen Landeplätzen auf Hochhausdächern einsteigen und sich zum Beispiel zum Flughafen fliegen lassen. Volocopter will noch in diesem Jahr einen entsprechenden Testbetrieb in Dubai aufnehmen.  

Einen anderen Ansatz verfolgt die Firma Aeromobil. Seit zehn Jahren tüfteln die slowakischen Unternehmer an ihrem Flugauto, das allerdings auf einen klassischen Flugplatz nicht verzichten kann: Dieser ist mit dem gut sechs Meter langen Zwitter allerdings problemlos erreichbar, das Vehikel hat Zulassungen für den Flug- und Straßenverkehr. Auf der Straße wird der vierrädrige Wagen wird bis zu 160 km/h schnell und kommt bis zu 700 Kilometer weit.

Drei Minuten von der Straße bis in die Luft

An der Startbahn soll das Aeromobil dann innerhalb von drei Minuten von fahr- auf flugbereit umschalten können. So lange dauert es, bis die im Straßenmodus seitlich angelegten Tragflächen ausgeklappt sind. In der Luft liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 360 km/h und die Reichweite bei 750 Kilometern – das entspricht knapp einem Inlandsflug von München nach Hamburg. Auf der IAA stellt Aeromobil die nunmehr serienreife Version 4.0 vor. Wer will, kann sich das mehr als eine Million Euro teure Flugauto schon jetzt bestellen: Um das Jahr 2020 will die Firma erste Exemplare an die Kunden geben.