Große Schritte macht Harley-Davidson höchst selten. Den Rahmen ihrer Softail-Baureihe etwa nutzen die Amerikaner seit 33 Jahren, in einer Zeit kurzer Produktintervalle ist das höchst ungewöhnlich. In dem 1984 vorgestellten Softail-Rahmen sitzt das Hinterrad in einer Dreiecksschwinge aus Stahlrohr. Unter dem Getriebe dämpfen zwei waagrechte Federbeine Erschütterungen nur minimal ab. Altbewährtes ist dabei nicht immer gut: Das Fahrwerk ist der Schwachpunkt dieser Harleys.

Motoren baut die Firma sogar seit 1909 nach demselben technischen Prinzip. Alle Big-Twins, wie die hubraumstarken Motoren genannt werden, waren bis zum vergangenen Jahr luftgekühlt. Erst dann führte der Hersteller eine Version ein, bei der die Ventile in den beiden Zylinderköpfen flüssigkeitsgekühlt sind. Premiere hatte der Motor in diesem Jahr in den Touringmodellen. Nun wird er den aktuellen Twin-Cam-Motor auch in den anderen großen Modellen ersetzen. Zeitgleich gibt es einen neuen Rahmen für die Softails.

Für Harley sind die beiden Neuerungen ein großer technologischer Fortschritt: Der Motor macht die neuen Harleys etwas schneller – das neue Fahrwerk gibt ihnen deutlich mehr Stabilität.

Acht neue Softails bietet Harley ab sofort an

Mit den Baureihen Dyna und Softail bediente Harley bislang identische Zielgruppen mit ähnlichen Produkten. Damit ist nun Schluss, ab dem Modelljahr 2018 gehen die beiden Linien in einer Softail-Plattform auf. Das ist die bedeutendste Produktreihe des Motorradherstellers. Gleich acht neue Softails bietet der Hersteller ab sofort an. Den Motor gibt es jeweils in drei Hubraum- und PS-Stärken. Standard ist der Milwaukee-Eight mit 1.747 Kubikzentimetern und 87 PS. Vier der acht neuen Modelle sind wahlweise auch mit einem größeren und stärkeren Motor zu haben. Der hat 1.868 Kubikzentimeter und leistet 94 PS.

Der Rahmen ist bis zu 17 Kilogramm leichter geworden. Er hat ein zentrales, verstellbares Federbein unter dem Sitz. Es gibt ihn in zwei Radschwingen: für schmale und breite Hinterräder. Alle neuen Softails sind mit LED-Tagfahrlicht ausgestattet, haben ein schlüsselloses Zündsystem und USB-Anschlüsse am Lenker, um das Handy zu laden.

Technologische Konstanz scheint sich auszuzahlen

Ein zentrales Federbein bauen die japanischen Hersteller zwar seit Jahrzehnten ein. Wirtschaftlicher erfolgreich als die Amerikaner sind sie dennoch kaum: Im vergangenen Jahr stand Harley auf Platz drei der meistverkauften Motorräder in Deutschland, zwischen Yamaha und Honda. Über die Jahre gesehen gewann Harley stets Marktanteile dazu, die Japaner verloren massiv. Technologische Konstanz scheint sich auszuzahlen.

Ende Oktober hat Harley-Davidson seine neuen Softails in den Bergen nördlich von Barcelona vorgestellt. Vier der neuen Softailmodelle standen zu Testfahrten bereit. Street Bob und Heritage Classic als Vertreter der klassischen Modelle; Fat Bob und Breakout als neue, wildere Versionen.