Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat an diesem Dienstag mehr als einhundert Flüge gestrichen. "Wir verzeichnen aktuell ungewöhnlich viele Krankmeldungen der Piloten", sagte ein Sprecher. Details wurden zunächst nicht bekannt. Das Unternehmen hatte einen staatlichen Kredit über 150 Millionen Euro erhalten, um trotz der Insolvenz bereits gebuchte Flüge ausführen zu können.

Man müsse "aus betrieblichen Gründen" mehrere Verbindungen annullieren, hieß es in einer knappen Mitteilung. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Passagiere." Mehrere Medien berichteten, Hintergrund sei eine Piloten-Revolte, weil die Verhandlungen zum Übergang von 1.200 Piloten auf einen potenziellen neuen Käufer von der Geschäftsführung abgebrochen wurden.

Air Berlin forderte betroffene Passagiere auf, nicht zu den Flughäfen zu kommen. Mit der Flugnummer können Kunden überprüfen, ob ihr Flug gestrichen wurde. Den Passagieren würden andere Reisemöglichkeiten angeboten.

Gewerkschaft fürchtet Entlassungen

Laut der Übersicht der Abflüge an den Flughafen Berlin-Tegel und Düsseldorf wurden bereits etliche Verbindungen gestrichen, auch Langstreckenflüge etwa in die USA. Jedoch werden weiterhin noch etwa die Hälfte der Flüge ausgeführt. Am Morgen sind in Tegel auch schon Maschinen der Fluggesellschaft gestartet.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) befürchtet, dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. VC-Präsident Ilja Schulz sagte der Rheinischen Post, es bestehe die Sorge, dass mit einer "enormen Preiserhöhung die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden soll, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann".

Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man insbesondere die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme. "Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen", sagte Schulz der Zeitung. "Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen."

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, sie halte die Krankmeldung vieler Piloten bei für "keinesfalls verwunderlich". Es sei nicht auszuschließen, dass es auch bei anderen Beschäftigten dazu kommen könne. Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Bis zu diesem Freitag läuft die Frist für Kaufangebote von Interessenten.