Ich lebe in einem Viertel, in dem regelmäßig Demonstrationszüge und Spaßveranstaltungen stattfinden. Der Autospiegel ist anschließend oft verbogen oder es gibt Kratzer im Lack meines Wagens. Was passiert, wenn jemand größeren Schaden anrichtet, etwa eine Scheibe am Auto einschlägt oder den Wagen anzündet? Zahlt dann die Versicherung?, will ZEIT-ONLINE-Leser Johann Sandner wissen.

Diese Frage beschäftigte vermutlich auch einige Hamburger nach dem G20-Gipfel oder alljährlich Autobesitzer in Berlin rund um den 1. Mai. Grundsätzlich gilt in solchen Situationen, dass derjenige, der einen Schaden verursacht, diesen auch begleichen muss. "Da es sich im Regelfall um absichtliche Beschädigungen handelt, müsste der Verursacher die Kosten selbst tragen", erklärt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Dresden. "Seine Haftpflichtversicherung greift in solchen Fällen nicht."

Eine Vollkaskoversicherung deckt auch Vandalismusschäden ab

In der Praxis jedoch lässt sich der Verursacher des Schadens häufig nicht ermitteln. Dann kommt die eigene Versicherung des PKW-Halters als Ansprechpartner in Betracht: "Die Eintrittspflicht der Versicherung hängt wiederum vom Umfang des Versicherungsschutzes ab", sagt Janeczek. Eine Vollkaskoversicherung deckt auch Vandalismusschäden ab, erstattet werden dann die versicherten Reparaturkosten abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung. Erleidet das Fahrzeug einen Totalschaden, erhält der Besitzer den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts des Wagens. "In vielen Versicherungsverträgen besteht zudem der Anspruch, dass Fahrzeuge bis zu zwei Jahren Alter mit dem Neuwert ersetzt werden", erklärt Jurist Janeczek.

Teilkaskoversicherungen decken solche Schäden meist nicht ab: Diese kommen zwar beispielsweise grundsätzlich für Brandschäden auf – allerdings nur, wenn sie nicht durch vorsätzliche Gewalt entstanden sind. "Vandalismusschäden sind in der Teilkaskoversicherung in der Regel ausgeschlossen. Auch eine Hausratversicherung ist für Schäden an Kraftfahrzeugen nicht zuständig", sagt Janeczek. Im Zweifel sollten Autofahrer ihren Wagen daher lieber an einen sicheren Ort umparken, wenn Beschädigungen ansonsten wahrscheinlich sind.

Besondere Vorsicht gilt, wenn parkende Autos an typischen Orten und immer wiederkehrenden Anlässen beschädigt werden – etwa in manchen Teilen Berlins während der Demonstrationen zum 1. Mai. Waren die Krawalle zu erwarten, kann sich auch die Vollkaskoversicherung weigern, den Schaden zu übernehmen: Die Versicherung könnte den Autobesitzern grob fahrlässiges Verhalten vorwerfen, um dadurch den Anspruch zu kürzen, warnt Janeczek.