Wenn es um das Thema Preise geht, kennt die deutsche Automobilindustrie seit Langem nur eine Richtung: nach oben. Alles wird immer teurer. Die Preise für Neuwagen zum Beispiel stiegen seit 2010 um durchschnittlich 14 Prozent, die Reparaturkosten sogar um mehr als 20 Prozent.

Doch mehr Service und Ausstattung bieten die Autofirmen für diese kräftigen Aufpreise nicht. Im Gegenteil: Mit fast detektivischem Spürsinn fahnden sie nach immer neuen Möglichkeiten, auf Kosten der Kunden Geld zu sparen. So ist die Autoindustrie nicht nur die einzige Branche, die sich die Lieferung fabrikneuer Produkte zu den Händlern teuer bezahlen lässt. Neuerdings geizt sie nun auch noch an selbstverständlichen Details – oder verlangt dafür Aufpreise. Jüngstes Beispiel: die Bedienungsanleitung.

Lag das Bordbuch früher in jedem Handschuhkasten und gehörte quasi zur bedingungslosen Grundausstattung eines jeden Neuwagens, findet man dort heute häufig nur noch eine Kurzversion, die viele Funktionen des Autos gar nicht erklärt. Wer mehr in gedruckter Form lesen will, muss zahlen. Vorreiter bei diesem neuesten Trend der Autofahrer-Abzocke sind ausgerechnet die teuersten Marken: BMW und Mercedes.

19 Euro für ein Druckexemplar

Zwar behauptet die deutsche Mercedes-Vertriebsorganisation gegenüber ZEIT ONLINE, dass "jedem Fahrzeug eine vollumfängliche Betriebsanleitung in gedruckter Form" beigelegt werde. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus – was die Käufer der Autos aber erst erfahren, wenn sie ihre gedruckte Kurzanleitung aufschlagen. "Sie haben die Möglichkeit, eine vollumfängliche Druckversion der Zusatzanleitung Ihres Multimediasystems über Ihren Mercedes-Benz Servicestützpunkt zu beziehen", heißt es dort. Und diese Zusatzinformation lässt man sich bezahlen: Rund 19 Euro kostet das gedruckte Exemplar.

Auch bei BMW erfahren Neuwagenkäufer erst auf den zweiten Blick, dass ihnen der Hersteller wichtige Bedienungsinformationen in gedruckter Form vorenthält. Zwar liegt eine gut 300 Seiten starke Anleitung im Handschuhfach jedes fabrikneuen Modells, doch wer dieses Buch studiert, wird darin immer wieder auf die Inhalte einer Zusatzanleitung "Navigation, Entertainment und Kommunikation" verwiesen. Die wird aber nicht mitgeliefert, sondern muss als "Ersatzteil" beim Autohändler bestellt werden – für 24,40 Euro.

Die Online-Anleitung gibt es nur gegen persönliche Daten

"Aus Kundenfragen wissen wir, dass die Betriebsanleitungen nur von einem kleinen Teil unserer Kunden genutzt werden", erklärt ein BMW-Sprecher die Aufpreispolitik. Deshalb habe man sich entschieden, die gedruckten Anleitungen sukzessive durch elektronische Versionen zu ersetzen. Die wären entweder im Bordcomputer des Autos gespeichert oder online verfügbar. Begründung: "Nahezu 100 Prozent unserer Kunden haben ein Smartphone."

Doch eine solche Online-Anleitung gibt es nicht einfach so. Neuwagenkäufer müssen sich bei BMW registrieren und allerlei persönliche Daten angeben: Name und Adresse ebenso wie auch Angaben über die Nutzungsweise des Wagens (gewerblich oder privat), die jährliche Fahrleistung, den aktuellen Kilometerstand und die Fahrgestellnummer. Erst dann können sie eine Betriebsanleitung aufrufen, die aber nicht als zusammenhängende Datei auf den eigenen Computer heruntergeladen werden kann und deshalb ziemlich unpraktisch ist. 

Jedes Mal also, wenn BMW-Kunden etwas über die Bedienung ihres Navigationssystems nachlesen möchten, müssen sie zuerst die BMW-Internetseite aufrufen und sich dort anmelden. Der Hohn an der Sache: Der Kunde muss stets per Mausklick zur Kenntnis nehmen, dass die Online-Version "nicht die gedruckten Betriebsanleitungen ersetzt, die mit dem Fahrzeug ausgeliefert wurden". Dumm nur, dass große Teile der Anleitung gar nicht mehr in den Neuwagen liegen.