Sturm Xavier hat sich verzogen, der Bahnverkehr funktioniert auf den meisten Strecken wieder, wenn auch mit Einschränkungen. Doch wird die Bahn nun für ihre Informationspolitik kritisiert. Zumindest ab dem Tag nach dem Orkan hätte eine ausreichende Information der Fahrgäste möglich sein müssen, erklärte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

"Wir leben in einem Zeitalter von Apps und digitaler Information, und doch ist das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, seine Kunden ausreichend zu informieren.", sagte der EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Die Kommunikationsmängel seien für Bahn-Mitarbeiter, von denen viele "einen tollen Job gemacht" hätten, oft "beschämend" gewesen.

"Wir haben alle Verständnis, dass kein Zugverkehr stattfinden kann, wenn Bäume auf die Schienen fallen oder Oberleitungen beschädigt werden", sagte auch der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Die Deutsche Bahn müsse dann aber auch "sauber informieren", sagte er der Passauer Neuen Presse.

"Wenn Züge nicht fahren können, muss man dies den Fahrgästen sagen, statt sie Stunden lang auf den Bahnhöfen stehen zu lassen", zitierte der Tagesspiegel den selbst als Reisenden betroffenen Experten für Gefahrenabwehr, Martin Neumann. Kritik gab es auch am Fehlen von Bus-Ersatzverkehren sowie massiven Zugausfällen auch auf längst wieder freigegebenen Strecken.

Bahn spricht von "Extremsituation"

Von der Deutschen Bahn hieß es dazu, die Lage nach dem Sturm sei "eine Extremsituation" gewesen, "in der wir den Reisenden leider nicht sofort sagen konnten, wann sie wieder mit dem Zug an ihr Ziel kommen". In der App DB-Navigator für Smartphones sei aber "die jeweils aktuelle Situation abrufbar" gewesen. Hingewiesen wurde auch auf umfangreiche Kulanzregeln und das Bereitstellen von Hotelzügen.

Insgesamt seien mehr als tausend Kilometer Strecke von den Sturmschäden betroffen gewesen, teilte die Bahn mit. Ein großes Problem waren demnach umgeknickte Oberleitungsmasten. So seien die Leitungen auf der Strecke Berlin-Hamburg auf sechs Kilometern Länge massiv beschädigt worden, hieß es. Hunderte Bahn-Mitarbeiter sowie 25 Reparaturfahrzeuge seien am Sonntag noch im Einsatz.

Wieder befahrbar war am Sonntagmittag die Strecke Bremen–Hannover. Wieder frei waren auch die Strecken Hannover–Hamburg sowie Berlin–Dresden.

Ab Montag sukzessive wieder eröffnet

Gesperrt blieben dagegen voraussichtlich noch bis Montag die Strecken Hamburg–Berlin, Osnabrück–Hamburg, Hannover–Magdeburg–Berlin sowie bis voraussichtlich Mittwoch Leer–Oldenburg–Bremen, außerdem eine Reihe von Strecken des Regionalverkehrs in Nord- und Ostdeutschland. Einschränkungen gab es auch noch bei der Berliner S-Bahn.

Bereits am Samstag war die ICE-Strecke Berlin–Wolfsburg–Hannover weitgehend freigegeben worden. Allerdings blieb ein Abschnitt zwischen Wolfsburg und Hannover vorerst gesperrt. Züge wurden dort über Braunschweig umgeleitet, wodurch es weiterhin Verspätungen von gut einer halben Stunde gab. Für Reisende zwischen Berlin und Hamburg bot die Bahn einige Züge auf einer Ausweichverbindung über Uelzen an, deren Fahrt eine Stunde länger dauert als normal.

Ab Montagfrüh um sechs Uhr soll auch die Strecke Berlin–Hamburg wieder geöffnet werden, wobei es etwas dauern kann, bis der Verkehr wieder regelmäßig fährt. Im Laufe des Montags soll die Strecke Osnabrück–Hamburg wieder geöffnet werden. Die genaue Uhrzeit stehe noch nicht fest. Das gleiche gilt demnach für die Strecken Hannover–Magdeburg und Magdeburg–Berlin. Die Bahn veröffentlicht den Fortgang der Arbeiten für den Regionalverkehr unter bahn.de/aktuell und für den Fernverkehr auf dieser Seite.

Der Sturm war am Donnerstag über die Nordhälfte Deutschlands gezogen. Sieben Menschen kamen ums Leben, Feuerwehren und Rettungsdienste waren im Großeinsatz.