Als ich aus meinem Frankreichurlaub zurückkam, hatte ich einen französischen Bußgeldbescheid im Briefkasten. Muss ich die Strafe zahlen, oder kann ich dagegen Widerspruch einlegen? Was passiert mit im Ausland erworbenen Punkten? Werden diese auf mein deutsches Punktekonto in Flensburg übertragen?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Andreas Fuchs.

Früher konnten Autofahrer ausländische Bußgeldbescheide wegen Verstößen im Straßenverkehr einfach ignorieren. Heute ist das nicht mehr so einfach, aufgrund eines EU-Beschlusses ist eine Vollstreckung auch in Deutschland möglich. Deutsche Behörden treiben die Bußgelder aus dem EU-Ausland auch tatsächlich ein, wenn im Ausland ein Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. "Mittlerweile bestehen fast immer die technischen Möglichkeiten und die rechtliche Grundlage für den Austausch der Halter- und Fahrerdaten, die für die Einleitung eines Verfahren erforderlich sind", sagt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland. Zuständig für die Vollstreckung ist das Bundesamt für Justiz.

Eine zweiwöchige Einspruchsfrist beginnt, sobald der Bescheid zugestellt ist – also beispielsweise von der Post in den Briefkasten geworfen wird. Versäumt man die Frist ohne eigenes Verschulden, kann man eine Verlängerung beantragen. Allerdings braucht es dafür gute Gründe, etwa einen längeren Krankenhausaufenthalt.

Autofahrer können im Ausland grundsätzlich nur für Vergehen bestraft werden, die im EU-Beschluss und dem deutschen EU-Geldsanktionengesetz enthalten sind. Dazu gehören unter anderem Verstöße gegen Verkehrsregeln und gegen Vorschriften über Lenk- und Ruhezeiten. Ungeahndet bleiben hingegen Beleidigungen anderer Fahrer im Straßenverkehr – wenn sie keine zivilrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen.

Geldbußen aus dem Urlaub werden in Deutschland außerdem nur dann vollstreckt, wenn das Urlaubsland ebenfalls den EU-Beschluss in nationales Recht übertragen hat. "Mittlerweile haben das fast alle EU-Mitgliedsstaaten getan", sagt Engelmohr.

Ausgeschlossen von der Vollstreckung sind außerdem Geldstrafen unter einer Bagatellgrenze von 70 Euro. Nur für das Nachbarland Österreich gibt es eine Ausnahme: Dort liegt die Freigrenze für Geldstrafen aufgrund einer älteren Vereinbarung bei 25 Euro. Die Bagatellgrenzen klingen zwar relativ großzügig – das kann jedoch schnell täuschen. "In den meisten europäischen Ländern liegen die Geldstrafen deutlich höher als in Deutschland", sagt Engelmohr. Deshalb scheitere eine Vollstreckung nur in wenigen Fällen an der 70-Euro-Grenze.

Wer die Geldbußen dennoch ignorieren will, sollte sich fragen, ob er das Land bald wieder bereisen will. Denn die Strafe kann noch Jahre später bei der Wiedereinreise erhoben werden, die Verjährungsfristen sind häufig sehr lang. Jurist Engelmohr rät daher dazu, sich eine gezahlte Geldbuße vor Ort sofort detailliert quittieren zu lassen. "Nur so kann letztendlich sichergestellt werden, dass nicht zweimal gezahlt werden muss", sagt er. "Mitglieder können sich bei ihrem Automobilclub informieren."

Doch egal, um welches Delikt es sich handelt: Im Ausland erworbene Punkte werden nicht im Flensburger Fahreignungsregister erfasst.