Wie(so) der Staat Elektromobilität stärker fördern sollte

Der Verkehrssektor ist weltweit für rund 15 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich – hierzulande ist es sogar ein knappes Fünftel, mit steigender Tendenz. Gerade in Deutschland, das die selbst gesteckten Emissionsziele für 2020 wohl verfehlen wird, muss daher die Dekarbonisierung des Verkehrssektors besondere Priorität haben. 

Elektromobilität ist dabei im Straßenverkehr die derzeit am weitesten entwickelte klimafreundliche Technologie. Sie sollte daher in einem optimalen Mix verschiedener Technologien sowie struktureller Änderungen eine wichtige Rolle spielen. Was genau ist aber nötig?

An erster Stelle sollte eine Bepreisung von Emissionen stehen. Etwa indem fossile Kraftstoffe – und damit der Verkehrssektor – Teil des europäischen Emissionshandelssystems werden. Oder indem der CO2-Verbrauch einzelner Fahrzeuge besteuert wird. Da emissionsarme Antriebe so automatisch einen Vorteil erhalten, sogar ohne sich auf eine bestimmte Technologie festzulegen, profitiert die schon vergleichsweise weit verbreitete Elektromobilität besonders stark.

Damit diese Steuer wirksam wird, muss sie hinreichend hoch sein. Ein erst wenige Monate alter Bericht einer Kommission zu CO2-Preisen empfiehlt eine Spanne zwischen 35 und 70 Euro je Tonne CO2 bis 2020.

Daneben gibt es aber auch gute Gründe, Elektromobilität zusätzlich staatlich zu fördern, ohne damit den marktwirtschaftlich organisierten Innovationsprozess grundsätzlich infrage zu stellen. Eine solche Förderung kann Kosten für die Industrie abfedern und die nötige Investitionssicherheit gewährleisten, um den Ausbau zu beschleunigen oder gar erst möglich zu machen. Bei den erneuerbaren Energien hat staatliches Handeln erkennbar zu einer schnelleren Entwicklung in den Bereichen Solar und Wind geführt. Davon profitieren heute andere Staaten, aber eben auch der Klimaschutz.

Was Elektromobilität betrifft, so sind insbesondere die Investitionen in die notwendige Ladeinfrastruktur sowohl kapitalintensiv als auch risikoreich. Der Staat sollte hier investieren, denn risikoscheue private Investoren werden solche Projekte kaum fördern. Die verbundenen positiven Effekte würden wie bei den erneuerbaren Energien nicht nur anderen Industrieländern zugutekommen, sondern auch Entwicklungsländern. Gerade dort ließe sich eine dezentrale elektrische Ladeinfrastruktur aufbauen, da in diesen Ländern häufig viel Solarstrom gewonnen werden kann. Das ist besser, als ein ausgebautes Tankstellennetz mit fossilen Brennstoffen zu nutzen.

Wichtig ist, dass nicht der Erwerb eines Elektrofahrzeugs förderungswürdig ist, sondern dessen Nutzung im Vergleich zu Verbrennungsmotoren. Daher sollten vor allem die Ladeinfrastruktur, allgemeine Forschung und Entwicklung zu neuen Antriebstechnologien sowie integrierte Mobilitätskonzepte gefördert werden. Mit ihren aktuellen Plänen geht die EU daher den richtigen Weg: Sie will 800 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um Ladepunkte auszubauen, und weitere 200 Millionen Euro in die Entwicklung der Batterietechnik investieren.

USA - Tesla präsentiert Elektro-Lkw Der Elektrohersteller Tesla hat neue Elektrolastwagen vorgestellt. Sie sollen ab 2019 in die Produktion gehen, die Preise sind noch unbekannt. © Foto: Tesla/AP Photo

Wie groß die Rolle ist, die Elektromobilität in einem nachhaltigen Verkehrssystem spielen wird, ist unsicher: Wie werden sich Batterien in den kommenden Jahren entwickeln? Wie viele Emissionen fallen künftig noch in der Produktion von E-Autos an? Wie akzeptiert wird die Nutzung elektrischer Fahrzeuge sein?

Natürlich sind viele Kritikpunkte an der Elektromobilität valide – etwa die fehlende Langstreckentauglichkeit und eine drohende Verlagerung von Emissionen. Aber auch wenn Elektromobilität nicht die alleinige Lösung für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors ist: Es spricht vieles dafür, ihr durch eine gut durchdachte Technologieförderung eine Chance zu geben, einen erkennbaren Beitrag zu leisten. Wer nur reflexartig jegliche Förderung ablehnt, macht es sich zu einfach.

Von Prof. Dr. Sonja Peterson