Die EU-Kommission will nach dem VW-Dieselskandal den Spritverbrauch von Autos künftig direkt messen. Dazu soll ab dem Jahr 2020 der Einbau von Messgeräten in alle Pkw vorgeschrieben werden, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Ein Ausschuss der Kommission befasse sich damit. Einige Mitgliedsländer hätten sich bereits positiv zu der geplanten Änderung geäußert.

Der Vorschlag orientiert sich an einem neuen Vorstoß in Kalifornien, wo die neuen Standards ab 2019 gelten sollen. Die Messtechnik soll je Auto lediglich einen Euro kosten. Mit der neuen Vorschrift will die EU-Kommission überwachen, inwieweit die Herstellerangaben über den Spritverbrauch von den wirklichen Daten abweichen.

Erst Anfang November hatte eine internationale Forschergruppe festgestellt, dass der tatsächliche Spritverbrauch von Neuwagen in Europa im Durchschnitt 42 Prozent höher liegt als angegeben. Ein Grund für die hohe Diskrepanz lag laut den Forschern darin, dass der Kraftstoffverbrauch von Pkw für die Herstellerangaben in Testlaboren und nicht im realen Fahrbetrieb ermittelt werde. Mit eigenen Messgeräten könnten solch unrealistische Angaben künftig verhindert werden.

Die geplante Einführung der Messgeräte ist nicht die einzige Maßnahme der EU, die sich gegen die Manipulationen beim Spritverbrauch richtet: Ab September 2018 müssen alle Neuwagen ihren Verbrauch anhand eines neuen, realistischeren Testverfahrens ermitteln lassen – und nicht mehr auf eigens dafür hergerichteten Teststrecken der Hersteller. Es wird daher erwartet, dass das sogenannte WLTP-Verfahren die offiziellen Verbrauchswerte von Pkw deutlich erhöhen wird.

Die eingebauten Messgeräte sollen dafür sorgen, dass die realen Verbrauchswerte sich nicht erneut von den Herstellerangaben entfernen. Laut Spiegel Online sollen die Geräte ab dem 1. Januar 2020 bei allen neu zugelassenen Fahrzeugtypen und ein Jahr später dann bei sämtlichen Neuwagen vorgeschrieben sein. "Die Hersteller haben in der Vergangenheit gelernt, die Tests zu manipulieren", wird eine Kommissionsbeamtin zitiert. "Wir müssen aufpassen, dass das beim WLTP-Verfahren nicht wieder passiert."