Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair möchte ab Sommer 2018 ihr Angebot in Berlin ausbauen und neben Schönefeld auch den Flughafen Tegel anfliegen. Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge die Start- und Landerechte für neun Maschinen beantragt und möchte damit rund 30 Prozent der verlorenen Air-Berlin-Kapazitäten in Tegel ersetzen. Ryanair versprach, die sogenannten Slots mit "größeren Flugzeugen, höherer Auslastung und effizienten Betriebsabläufen" bestmöglich zu nutzen und damit "noch mehr Touristen und Besucher nach Berlin zu bringen".

Der Billigflieger steigt damit mit ein in die Abwicklung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Eigentlich wollte die Lufthansa einen Großteil der Maschinen und Slots von Air Berlin übernehmen. Weitere Teile sollten an den britischen Billigflieger EasyJet gehen. Derzeit prüft aber die EU-Wettbewerbsbehörde den Verkauf. Wie die Behörde mitteilte, hat die Lufthansa kurz vor Ablauf der Frist angeboten, auf substanzielle Start- und Landerechte an großen Flughäfen zu verzichten, darunter auch in Tegel.

EasyJet hatte angekündigt, 25 Flugzeuge in Tegel zu stationieren, was bei Ryanair für Kritik sorgt. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen, den Zuschlag für die Start- und Landrechte zu erhalten. Dies ist allerdings noch unklar.

Bereits nach der Insolvenz von Air Berlin im August hatte Ryanair Interesse an Teilen von Air Berlin gezeigt, schließlich jedoch kein Gebot abgegeben. Ryanair-Chef Michael O'Leary sprach damals von einem "abgekarteten Spiel". Auf einer Pressekonferenz kritisierte er das Insolvenzverfahren und eine angebliche Bevorzugung der Lufthansa.

Ryanair warb erneut dafür, den Flughafen Tegel auch nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER weiterzubetreiben. Bereits seit Längerem setzt sich Ryanair für eine Offenhaltung des Airports ein und unterstützt entsprechende Kampagnen finanziell. Eigentlich möchte Berlins rot-rot-grüner Senat den Flughafen schließen, um die Anwohner von Lärm zu entlasten und das Flughafengelände zu bebauen. Bei einem Volksentscheid im September stimmten allerdings 56 Prozent für eine Weiternutzung Tegels nach der Eröffnung des BER.