Manche Bahnfahrer regen sich über 20 Minuten Verspätung auf – was soll ich da sagen? Ich hatte in diesem Jahr eine Verspätung von mehr als 50 Stunden. Das ist kein Tippfehler: Alle meine Bahnfahrten in diesem Jahr waren zusammengenommen mehr als zwei Tage verspätet, ein Onlinedokument hat das für mich gezählt. Ich hätte in dieser Zeit ein romantisches Wochenende in Paris verbringen oder Hunderte Euro verdienen können, indem ich einfach gearbeitet hätte. Aber ich verbrachte die Zeit mit In-der-Bahn-Sitzen.

Mal war ein Stellwerksschaden schuld, mal eine verspätete Bereitstellung des Zuges und mal Verzögerungen im Betriebsablauf. Bei all dem Warten habe ich die absurdesten Dinge erlebt. Sitznachbarn, die an ihrem Computer das Beschwerdeformular auf der DB-Homepage nur mit den Worten ausfüllen: "ihr Arschlöcher!!!" Passagiere, die in einen Heulkrampf verfallen, weil sie ihren Urlaubsflieger in Frankfurt zu verpassen drohen. Zugbegleiter, die mir sagten, der Anschlusszug nach Stuttgart werde "natürlich erreicht", nur um eine Minute später per Durchsage das Gegenteil zu verkünden. Und Züge, die so heillos überfüllt waren, dass in einem Kaff bei Würzburg etliche Menschen wieder aussteigen mussten – das Maximalgewicht war überschritten.

Von allen großen und kleinen Problemen der Bahn stört mich das am meisten: das miserable Krisenmanagement. Ich verlange keine immer pünktlichen Züge, kein immer funktionierendes WLAN, keine minutenpräzisen Durchsagen. Aber ich verlange, als Kunde – gerade bei Problemen – ernst genommen zu werden. Wenn ich 40 Minuten auf offener Strecke stehe, will ich vor allem wissen: wieso und wie lange noch. Doch häufig werden Kunden mit Fantasiephrasen ("Geht gleich weiter!") abgespeist oder die Zugbegleiter verkriechen sich sofort in ihrer Kabine. Meine Bitte an die Bahn und ihre Mitarbeiter ist daher: Sprecht mit den Kunden, seid ehrlicher und werdet routinierter in Krisen – zum Beispiel durch Schulungen und mehr Notfallzüge.

Wieso ich all das schreibe? Heute führt die Bahn ihren Fahrplan für das kommende Jahr ein. Wir von ZEIT ONLINE halten das für einen guten Zeitpunkt, der Bahn einmal zu sagen, was uns an ihr stört – und vor allem: wie es besser gehen könnte. Wir wollen nicht bloß auf die DB schimpfen, wir wollen ehrliche, konstruktive Verbesserungsvorschläge machen. Unsere zehn Punkte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, nicht alle unserer Vorschläge mögen umsetzbar sein. Aber wir fragen uns: Liebe Bahn, geht das nicht besser?

Lukas Koschnitzke