Ich parke mein Auto häufig in einer engen Parklücke vor meinem Grundstück. Wenn ich das Auto einparke, habe ich nach vorne oder hinten genügend Platz, die Parklücke auch wieder zu verlassen. Doch über Nacht ändert sich oft die Lage: Andere Fahrzeuge fahren weg, wieder andere parken dafür ein – und fahren regelmäßig so dicht an die vordere Stoßstange meines Wagens heran, dass das Fahrzeug quasi eingeklemmt wird und ich nicht mehr ohne Blechschaden ausparken kann. Wer ist hier schuld? Ich, weil ich eine zu enge Parklücke wähle? Oder die anderen Fahrer, die mich später zuparken?, will ZEIT-ONLINE-Leser Steffen Köhler wissen.

Die Parkplatzsuche kann in manchen Städten schnell anstrengend werden. Doch trotzdem sollten sich Autofahrer nicht dazu verleiten lassen, überall zu parken – beispielsweise zu nah an Kreuzungen und Einmündungen. Die Straßenverkehrsordnung regelt nur allgemein, dass "platzsparend" zu parken ist, gibt aber keine genauen Vorgaben. "Eine gesetzliche Regelung, wie viel Abstand genau zwischen den parkenden Pkw verbleiben soll, existiert nicht", sagt Michael Schulte, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Lüdenscheid.

Auch wenn Autofahrer oft unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein ausreichender Abstand bedeutet, geht die Rechtsprechung selten von einem vorsätzlichen Zustellen eines anderen Fahrzeuges beim Einparken aus. "Auch eine Strafbarkeit wegen Nötigung für den Pkw-Fahrer, der zuerst zu nahe hinter dem anderen Fahrzeug geparkt hat, scheidet meistens aus", sagt Schulte.

Unabhängig von der strafrechtlichen Einordnung bleibt aber ein weiteres Problem: Blockierende Autos können abgeschleppt werden. "Wird ein Pkw nämlich so zugestellt, dass ein Ausparken unmöglich wird, kann zunächst die Polizei hinzugezogen werden", sagt der Anwalt. Meistens versuchen die Beamten, den Fahrzeughalter zu ermitteln. Gelingt das nicht, wird ein Abschleppunternehmen beauftragt. Die Kosten trägt derjenige, der den Pkw zugeparkt hat, wie beispielsweise das Verwaltungsgericht Aachen entschieden hat.

Dadurch sind beide Pkw, die den anderen Wagen zugeparkt haben, davon bedroht, abgeschleppt zu werden – auch weil sich häufig nicht mehr ermitteln lässt, welcher Wagen tatsächlich zu dicht aufgefahren ist. "In der Verantwortung ist damit jeder, der zu dicht an einem anderen Fahrzeug parkt", sagt Schulte.

Wer daher sehr dicht an die Stoßstange des bereits parkenden Pkw heranfährt, kann ebenso in Anspruch genommen werden wie derjenige, der den parkenden Pkw später von der anderen Seite einschränkt. Dass zum Zeitpunkt des Parkens in eine Richtung noch ausreichend Platz war, ist also für das Abgeschlepptwerden nicht entscheidend.

Darüber hinaus droht jedem Fahrer ein Bußgeld zwischen zehn und 15 Euro, wenn er zu nahe an einem anderen Fahrzeug parkt.