Die Autobranche steckt im Umbruch: Zwei neue, strengere Messverfahren zur Bestimmung der Abgase werden seit einigen Wochen angewandt – erst mal nur für neue Typenzulassungen, ab Herbst 2018 dann für alle Neuwagen. Das Ziel: Die angegebenen Emissions- und Verbrauchswerte sollen der Realität auf der Straße deutlich näherkommen.

Damit müssen aber nicht nur die Hersteller neue Kataloge drucken, auch für die Autofahrer hat die Änderung konkrete Auswirkungen. Darum sollte man wissen, was es mit den neuen Abgasnormen Euro 6c und 6d-Temp sowie mit WLTP und RDE auf sich hat.

Worum geht es?

Seit September 2017 vergibt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) an neue Autos nur noch dann eine Typgenehmigung, wenn sie den Abgasnormen Euro 6c und 6d-Temp entsprechen. Die Grenzwerte haben sich gegenüber der seit September 2014 gültigen Norm Euro 6b zwar nicht verändert – es wird aber anders gemessen: Die Fahrzeuge müssen das Einhalten der Emissionsgrenzen auf dem Rollenprüfstand nicht mehr nach dem bisherigen Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) beweisen, sondern nach der deutlich strengeren Norm WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Darüber hinaus wird für Euro 6d-Temp das Abgasverhalten nun auch auf der Straße geprüft, mit einer RDE-Messung (Real Driving Emissions).

Wie unterscheiden sich Euro 6c und 6d-Temp?

Beide Normen gelten seit dem 1. September 2017 für alle neuen Typzulassungen. Vom 1. September 2018 an müssen alle Neuwagen die Norm Euro 6c erfüllen, ab 1. September 2019 dann die Norm 6d-Temp. Für Ottomotoren mit Direkteinspritzung gelten zudem nun die geringeren Werte für Rußpartikelausstoß, die seit Euro 6 bereits für Dieselmotoren galten. Immer mehr Autos mit Benzinmotor kommen daher jetzt – wie schon Diesel – mit Rußpartikelfilter auf den Markt.

Bei Euro 6d-Temp dürfen die im RDE-Verfahren ermittelten Emissionswerte den festgelegten Grenzwert zunächst noch überschreiten, aber nur um den Faktor 2,1. Das heißt, die Emissionen dürfen auf der Straße etwas mehr als doppelt so hoch sein. So liegt für Pkw mit Benzinmotor der Stickoxid-Grenzwert (NOx) für die Prüfstandmessung bei 60 Milligramm pro Kilometer, in der RDE-Messung sind hingegen bis zu 126 Milligramm erlaubt. Für Dieselfahrzeuge liegt der NOx-Grenzwert bei 80 beziehungsweise 168 Milligramm. Der sogenannte Konformitätsfaktor sinkt 2020 auf 1,5.

Warum gibt es überhaupt neue Tests?

Das bislang in Europa verwendete NEFZ-Verfahren war in den 1990er-Jahren vorrangig für die Messung von Schadstoffemissionen als theoretische Messfahrt entwickelt worden. Dem aktuell üblichen Fahrverhalten auf der Straße wurde es nicht gerecht. Entsprechend klafften die im Herstellerkatalog angegebenen Werte – und damit auch der Verbrauch – und die tatsächlichen Erfahrungen der Autofahrer mit ihrem Wagen eklatant auseinander.

Wieso ist der WLTP-Test realistischer?

Dem Testaufbau liegen reale Nutzungsdaten normaler Autofahrer aus China, den USA, Indien und Europa zugrunde. Im Unterschied zum NEFZ müssen neue Autos für die Typgenehmigung jetzt länger fahren (30 statt 20 Minuten) und mit weniger Stillstand (13 Prozent statt 25 Prozent). Zudem wurden die im Test zu fahrenden Geschwindigkeiten angehoben: Das Höchsttempo liegt jetzt bei 131 km/h statt bisher 120 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt jetzt bei 46 statt 34 km/h. Auch die vorgeschriebenen Temperaturen während der Messfahrt wurden gesenkt.

Durch das neue Verfahren wird auch die Angabe der Reichweite von Elektroautos deutlich realitätsnäher. Zudem muss der Einfluss zahlreicher Sonderausstattungen auf die CO2-Emissionen separat ermittelt werden. Das führt dazu, dass zum Beispiel das zusätzliche Gewicht durch ein Schiebedach oder der Mehrverbrauch durch breitere Reifen nun in die Werte einfließen. Im Konfigurator wird künftig der Mehrverbrauch mit Sonderausstattung angezeigt.

Und wie wird bei RDE gemessen?

Hier wird das reale Abgasverhalten auf der Straße untersucht. Dafür fahren Prüfer mit einem Fahrzeug, das mit einem Pems-Messgerät (Portable Emissions Measurement System) ausgerüstet ist – erkennbar an dem unübersehbar großen Heckkoffer. Es misst den Ausstoß verschiedener Abgaskomponenten. Verschiedene Prüfer fahren das Auto zu verschiedenen Tageszeiten auf derselben Strecke. Am Ende werden die Werte gemittelt. Zur Auswahl der Route gibt es genaue Vorgaben, was etwa Autobahnanteil und Geländeprofil angeht.