Der wegen Versuchen an Affen in die Kritik geratene Forschungsverein hat auch einen Versuch mit Menschen finanziert. Wie die Stuttgarter Zeitung und die Süddeutsche Zeitung berichten, förderte die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) ein Experiment, bei dem sich Probanden dem Reizgas Stickstoffdioxid ausgesetzt haben.

EUGT im Sommer 2017 aufgelöst

Laut der Zeitungen wird diese "Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen" in einem Tätigkeitsbericht für die Jahre 2012 bis 2015 erwähnt. Dabei seien an einem Institut des Universitätsklinikums Aachen 25 junge, gesunde Testpersonen untersucht worden, nachdem sie jeweils über mehrere Stunden Stickstoffdioxid (NO2) in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet hatten. Laut der EUGT habe man im Rahmen der Studie aber keine Wirkung feststellen können.

Die Forschervereinigung, die 2007 von den Autokonzernen VW, Daimler und BMW sowie von dem Zulieferer Bosch gegründet worden war, wurde im Sommer 2017 aufgelöst. Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus sagte der Stuttgarter Zeitung, die 2016 veröffentlichte Studie sei nur eingeschränkt aussagekräftig. Zum einen ließen sich die Befunde nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen, zum anderen sei Stickstoffdioxid nur ein Teil der gesamten Luftbelastung. Der Versuch dürfe daher nicht instrumentalisiert werden, um Entwarnung zu geben.

Derweil entschuldigte sich der VW-Konzern für die Tierversuche in den USA, mit denen bewiesen werden sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Auch in diesem Fall war die EUGT beteiligt, die diese Affenversuche beim US-amerikanischen Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben hatte. Federführend war VW, das sich nun "klar von allen Formen der Tierquälerei" distanziert. Tierversuche stünden in keiner Weise mit den VW-Standards in Einklang. "Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner."

"Absurd und unentschuldbar"

Auch Daimler distanzierte sich ausdrücklich von der US-Testreihe. "Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert", hieß es in einer Stellungnahme, worin als Hauptverantwortliche die EUGT genannt wird. Man habe keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau gehabt, hieß es seitens des Konzerns. Dennoch "haben wir eine umfassende Untersuchung eingeleitet, wie es dazu kommen konnte."

VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann (CDU) forderte indes neben einer vollständigen Aufklärung und einem umfassenden Bericht an den Aufsichtsrat "Harte personelle Konsequenzen". Der niedersächsische Wirtschaftsminister, dessen Bundesland VW-Großaktionär ist, bezeichnete die Tierversuche beim Test von Dieselabgasen als "absurd und unentschuldbar" und wiederholte damit Worte von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Die Berichte über die umstrittenen Abgastests geben dem 2015 begonnenen Abgasskandal eine neue Brisanz. Ursprünglich hatte VW einräumen müssen, bei Millionen von Dieselfahrzeugen die Abgastests manipuliert zu haben, und dies inzwischen – vor allem durch Schadensersatzprozesse in den USA – teuer bezahlt. Zum Teil drastische Abweichungen der Abgaswerte zwischen Prüfstand und Straße wurden allerdings auch bei Fahrzeugen anderer Hersteller festgestellt.