Mehrere Manager deutscher Autobauer sollen von den Abgasversuchen mit Menschen und Affen gewusst haben. Das berichtet Der Spiegel unter Berufung auf Helmut Greim, den ehemaligen Vorsitzenden des Forschungsbeirats der Lobbyorganisation EUGT, die die Versuche durchgeführt hatten. "Natürlich haben die Autohersteller von den Tests an Affen und menschlichen Probanden gewusst", sagte Greim dem Spiegel. "Die jetzige Reaktion der Autovorstände ist für mich daher nicht nachvollziehbar."

Der wissenschaftliche Beirat der EUGT habe drei bis vier Mal pro Jahr getagt und dabei auch über die Versuche gesprochen. "Die Vorstände haben natürlich schon mal ihre Meinung zu Vorhaben des EUGT gesagt, auch ob man etwas aus ihrer Sicht machen sollte oder nicht. Im Fall der Versuche mit Affen und Menschen gab es jedoch keine Einwände", sagte Greim dem Magazin.

Nach Bekanntwerden der umstrittenen Versuche hatten sich Vorstände und Aufsichtsräte der beteiligten Konzerne von den Tests distanziert. VW, bei den Versuchen angeblich federführend, hatte sich "für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner" entschuldigt. VW-Chef Müller hatte die Versuche als "falsch, unethisch und abstoßend" bezeichnet. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, nannte die Versuche "absurd und widerlich".

Einzig BMW habe bislang eine Verantwortung für die Tests eingeräumt, berichtet Der Spiegel. "Wir müssen uns schon vorwerfen lassen, dass wir nicht in dem Moment, als es um die Tests ging, die Bremse gezogen haben", sagte ein Konzernsprecher dem Magazin.

VW will Versuche laut Bericht aus Gerichtsverhandlung raushalten

VW versucht laut einem anderen Medienbericht derweil, weitere negative Folgen der Versuche für den Konzern zu verhindern. So berichtet der NDR, dass der Wolfsburger Autobauer versucht, die Unterlagen zu den Experimenten aus einem laufenden Gerichtsverfahren in den USA ausschließen zu lassen. Volkswagen Amerika habe bei einem Gericht in Virginia mehrfach beantragt, die umstrittene Affenstudie nicht als Beweismittel zuzulassen.

"Das einzige Ziel des Klägers ist es, eine scharfe und emotionale Reaktion der Jury hervorzurufen, in der Hoffnung, dass diese VW Amerika für etwas bestrafen, dass mit den Klägern gar nichts zu tun hatte", zitiert der NDR aus dem ersten Antrag des Unternehmens bei dem Bericht vom 13. Oktober 2017. Der Vertreter der Kläger warf VW demnach "Unterschlagung und Geheimhaltung" vor.

Weiter berichtet der NDR, dass Volkswagen sich schon früh bemüht habe, nicht mit den Versuchen in Verbindung gebracht zu werden. In einer E-Mail aus dem Jahr 2013 habe der leitende VW-Werksarzt Michael Spallek, gleichzeitig Geschäftsführer der EUGT, an einen Manager des Konzerns geschrieben: "Uns geht es darum den Text [zur Studienvergabe] rechtssicher so formuliert zu wissen, dass es sich nicht um eine von uns verantwortete Auftragsforschung handelt." Die E-Mail habe auch VW-Cheflobbyist Thomas Steg in Kopie erhalten, der am Dienstag in Folge des Skandals zurückgetreten war.