Überall Nissan und Hyundai, Toyota und Ford: Die Elektronikmesse CES in Las Vegas wirkt stellenweise wie eine Autoshow. Der Uber-Konkurrent Lyft gondelt Gäste in autonomen Fahrzeugen umher, und selbst TV-Hersteller Panasonic zeigt, wie man sich selbstfahrende Autos vorstellt. Alle Marken, die an der Zukunft der Mobilität mitarbeiten wollen, präsentieren sich auf der Welt größten Digitalshow in Nevada.

Alle Marken? Nicht ganz: Ausgerechnet die Deutschen schwächeln, die bislang härtesten Verfechter autonomer automobiler Zukunft. Audi und BMW haben keine eigenen Neuheiten-Stände mehr gebucht, und Mercedes beschränkt sich auf die Ausstellung schon bekannter Prototypen und eines Armaturenbretts der nächsten Generation. Wer über die CES streift, gewinnt den Eindruck, die Marken aus der Alten Welt lassen sich bei dem Zukunftsthema so abhängen wie bei der Elektromobilität.

Doch der Eindruck täuscht: Sie sind nur gerade dabei, sich strategisch neu auszurichten. 

So ist Volkswagen zumindest mit einer Ankündigung vor Ort: Ab sofort werde man mit Aurora, einem Start-up aus dem Silicon Valley, gemeinsam am intelligenten Auto tüfteln. Der "führende Anbieter von in Mobilität als Service" wolle man gemeinsam werden, sagt Digitalisierungs-Chef Johann Jungwirth. Schon 2021 sollen in den ersten Städten Autos ohne Lenkrad und Gaspedal rollen. Darin könnten dann auch Sehbehinderte zum Shopping fahren oder Kinder von der Schule nach Hause.

Die Ankündigung ist eine bemerkenswerte Korrektur. Noch vor Kurzem sahen die deutschen Hersteller als Königsdisziplin des autonomen Fahrens, mit möglichst hohem Tempo über die Autobahn brettern, das Lenkrad in Reichweite, sollte der Fahrer doch selbst eingreifen wollen. Im Stau dürfte dann der digitale Chauffeur wieder übernehmen. Das rundliche Google-Car, das quasi als intelligentes Taxi den Insassen jegliche Steuerarbeit abnimmt, betrachteten die Deutschen als ulkige Knutschkugel.

Das Ende des Lenkrads

Doch schon auf der vergangenen Frankfurter Automesse IAA deutete sich ein Kurswechsel an, als Daimler ein ähnliches Konzept auf Basis des Smart darstellte. Wenn jetzt der Volkswagen-Konzern in Las Vegas in die gleiche Richtung schwenkt, dürfte das Ende des Lenkrades wohl beschlossen sein.

Doch genau das, die Abkehr von der Freude am Fahren hin zu einer "Mobilität für alle" (Jungwirth) ist nicht gerade die Kernkompetenz deutscher Autohersteller. Die gingen bislang davon aus, dass ihre vor allem für zügige Autobahnfahrten geschaffenen Assistenz-Systeme nach und nach zum ganzheitlichen System zusammenwachsen. Die Helfer für Tempo, Lenkung und Bremsen also. Bis man sich autonom in Städte trauen könne, verkündeten Manager von Audi und Co. noch kürzlich, würden noch viele, viele Jahre vergehen.

Dem gegenüber steht der Ansatz etwa von Google, das autonome Fahrzeug quasi vom Parkplatz aus zu konzipieren – als Königsdisziplin nicht die schelle Reise über die Autobahn, sondern die Fahrt durch die City. Das autonome Fahren auf Level fünf (Ziel eingeben, Film gucken) scheint greifbar. Start-ups wie der neue VW-Partner Aurora tüfteln mit dem Software-Know-How des Silicon Valley an derselben Idee.

Auch künftig Freude am Selberfahren

Und auch klassische Zulieferer profitieren von der neue Autozukunft: Mit dem Technologieunternehmen Aptiv steuert eine Ausgründung des britischen Zulieferers Delphi die selbstfahrenden Lyft-Taxen (übrigens BMW-Modelle). Sogar ZF, der bodenständige Getriebebauer vom Bodensee, sieht seine Chance, den autonomen Verkehr mitzugestalten: Sein Stand auf der CES ist vergleichsweise groß, das soll Selbstbewusstsein ausstrahlen. Besucher aus aller Welt bewundern und fotografieren das "Dream Car", das Routen durch die Stadt selbständig lernen kann. Alles stammt von ZF: Kameras und Sensoren, die die Umgebung erkennen, die zentrale Rechnereinheit bis zu den Stellmotoren für die autonome Fahrt. Die Autohersteller müssen das System nur kaufen und anpassen.

Doch was tun die Freunde des Selberfahrens? Sie sollen auch weiterhin auf ihre Kosten kommen. Die "Car Guys", beruhigt VW-Manager Jungwirth, "werden bei uns auch künftig entsprechende Modelle finden".