Das Kompaktsegment wird in Deutschland von den immer gleichen nationalen Bestsellern dominiert: VW Golf, Opel Astra, Ford Focus. Unter den Alternativen aus dem Ausland sticht vor allem der Peugeot 308 mit einem eigenständigen, harmonischen Design hervor. Wir haben den Fünftürer mit dem 130 PS starken Benzinmotor getestet. Denn mit diesem Antrieb – sowie mit je zwei weiteren Otto- und Dieselaggregaten – schafft der 308 als derzeit einziges lieferbares Familienauto die neue Abgasnorm Euro 6d-temp, die erstmals auch auf der Straße ermittelte Stickoxidemissionen (NOx) berücksichtigt.

Im realen Betrieb ist derzeit allerdings erlaubt, den Labor-Normwert von 60 Milligramm je Kilometer für Ottomotoren (80 Milligramm für Dieselantriebe) um das 2,1-fache zu überschreiten. Für die RDE-Messung gilt also ein Höchstwert von 126 bzw. 168 Milligramm pro Kilometer. Der Benzinmotor im getesteten 308 mit drei Zylindern und 1,2 Litern Hubraum erfüllt die Norm, auch dank eines serienmäßig eingebauten Partikelfilters.

So weit die Theorie. Die gute Nachricht lautet: In der Praxis ist von der komplizierten neuen Emissionsregelung nichts zu merken. Der Dreizylinder beschleunigt dank Turbounterstützung so kräftig, dass der Frontantrieb vor allem auf feuchter Straße oder beim Anfahren Probleme haben kann, ohne Eingriff der Traktionskontrolle die Kraft auf die Straße zu übertragen. Das im fünften und sechsten Gang lang übersetzte Getriebe sorgt für hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Der Tacho zeigte sogar deutlich mehr als das vom Hersteller angegebene Höchsttempo von 210 km/h an. Allerdings lag der reale Verbrauch im Schnitt fast zwei Liter über dem Normwert von 5,2 Litern je 100 Kilometer.

Kalter Knauf

Der 4,25 Meter lange Peugeot ist ein voll alltagstaugliches Auto. Der Einstieg gelingt leicht, die Sitze sind bequem, die Federung ist eher komfortbetont. Im Fond geht es etwas eng zu. Der Kofferraum indes bietet viel Platz: Das Volumen ist mit 420 Litern für die Kompaktklasse überdurchschnittlich. Das Navi hat uns jedoch nicht überzeugt. Es fiel durch relativ lange Rechenzeiten negativ auf. Außerdem blieben bisweilen Hinweise auf Staus aus, was uns an einem schneereichen Wochenende auf der Autobahn fast in eine Vollsperrung getrieben hätte – und dies, obwohl sogar das Radio schon entsprechende Meldungen sendete.

Trotzdem ist der 308 als Fahrzeug empfehlenswert – auch weil er, anders als bei französischen Modellen früher oft üblich, sorgsam zusammengebaut wurde und die Materialien im Innenraum gut verarbeitet wurden. Mit dem 130-PS-Motor und einer ganz ordentlichen Ausstattung ist das Grundmodell für 22.150 Euro zu haben, ein durchaus günstiger Preis.

Allerdings patzt der Peugeot ausgerechnet da, wo er unbedingt eigene Akzente setzen will. Das gilt vor allem für das sogenannte i-Cockpit mit dem flach angesetzten Lenkrad. Anders als üblich schaut man hier nicht durch das Lenkrad auf die Instrumente, sondern darüber hinweg. Das soll dem Cockpit eine sportliche Note geben, aber uns hat sich das nicht erschlossen. Es wirkt vielmehr so, als ob hier unbedingt etwas Neues ausprobiert werden musste.

Ähnlich ist es mit der Bedienung, die zwar schön auf wenige Knöpfe und Schalter reduziert wurde – in anderen Autos verliert der Fahrer ja schnell den Überblick über die Flut an Schaltern. Doch im 308 muss man sich einige der Icons für Radio, Navi oder Telefon am Rande des Bildschirms mehr als zweimal anschauen, um zu verstehen, was dahintersteckt. Die Designer arbeiteten offenkundig nach der Regel Form vor Funktion.

Das gilt auch für den Schaltknauf des manuellen Sechsganggetriebes. Man ist versucht, ihn als typisch französische Lösung zu bezeichnen. Der aus Aluminium gefertigte Knauf sieht schön aus und liegt gut in der Hand, wird im Winter aber so kalt, dass wir ihn nur mit Handschuhen anfassen konnten. Erst nach zwei Stunden Fahrt hatte sich das Designerstück aufgewärmt, so dass wir im inzwischen schon längst warmen Innenraum auch die Handschuhe ausziehen konnten.

So steht der Schaltknauf symbolisch für den 308. Der Wagen überzeugt in allen gängigen Disziplinen wie Motor, Getriebe, Platz und Komfort. Aber genau dort, wo man mit Gewalt eigene und spezielle Lösungen durchsetzen will, entpuppen sich diese als überflüssige Spielerei oder gar als Ärgernis. Hier sollte Peugeot noch nachbessern.

Technische Daten

Motorbauart: 1,2-Liter-Turbobenziner, drei Zylinder
Leistung: 96 kW (130 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Normverbrauch: 5,2 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 120 g/km
Testverbrauch: 7,1 Liter je 100 Kilometer
Abgasnorm: Euro 6d-temp
Preis: ab 22.150 Euro