In München fahre ich regelmäßig auf einem Radweg entlang der Isar, der durch einen Grünstreifen von der Straße getrennt auf dem Gehweg verläuft. Auf der Strecke befindet sich eine Ampel nur für Radfahrer, um Spaziergängern das Überqueren des Radwegs und der sich anschließenden Straße zu ermöglichen. Viele Radler "umfahren" diese Ampel, indem sie in einer Kurve über den Gehweg fahren und somit einen Bogen um die Ampel machen. Dürfen Sie das? Und könnte ich die Ampel auch umgehen, indem ich absteige, mein Rad in einer Schleife über den Fußgängerweg schiebe und anschließend wieder auf dem Radweg weiterfahre?, will ZEIT-ONLINE-Leserin Anja Graf wissen.

Auch wenn es nach einer pfiffigen Idee klingt, eine rote Ampel für Radfahrer zu umfahren – bei einer Kontrolle würde dieser Kniff keineswegs helfen. Immer wieder warten Beamte in München hinter einer Litfaßsäule, um Ampeln zu beobachten, stoppen die Radfahrer und erteilen kostenpflichtige Strafen. Das erzählen zumindest Fußgänger, die das Versteckspiel regelmäßig beobachten.

Auch juristisch gibt es keinen Interpretationsspielraum. Bettina Löblein, Fachanwältin für Verkehrsrecht, sagt: "Wer den Ampelbereich bei Rot bewusst auf dem Gehweg umfährt, um dort weiterzufahren, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung." Dies sei so auch gerichtlich schon festgehalten worden, so Löblein: Das Oberlandesgericht Hamm habe das Fahrmanöver in einem ähnlichen Fall als Ordnungswidrigkeit eingestuft.

Ein Rotlichtverstoß von Radfahrern wird zwar meistens nur mit einem halb so hohen Bußgeld geahndet wie für Kraftfahrer. Trotzdem liegt die Strafe meist bei mehr als 60 Euro – und somit kommt auch ein Punkt in Flensburg hinzu. War die Ampel länger als eine Sekunde rot, kostet es sogar mindestens 100 Euro.

Auch andere Tricks schützen nicht vor einer Strafe. Wer beispielsweise mit dem Fahrrad auf dem Gehweg die Lichtanlage umfährt, um danach unmittelbar wieder auf die Kreuzung oder die Straße einzufahren, begeht ebenfalls einen Verstoß.

Günstiger, aber trotzdem verboten, ist die von der Leserin angedeutete Lösung. Natürlich kann man sein Fahrrad auch schieben – das allein ist keine verbotswidrige Nutzung des Gehwegs. Doch es bringt keine Zeitersparnis, wenn parallel zur Radfahrerampel auch die Fußgängerampel Rot zeigt. "Wer sein Fahrrad auf dem Gehweg über die rote Fußgängerampel schiebt und keine erhebliche Behinderung der Fußgänger herbeiführt, kann mit dem geringeren Bußgeld für Fußgänger rechnen", sagt die Anwältin.