Anmerkung der Redaktion: Wir hatten mit MyTaxi vereinbart, dass sie unsere Fragen bis Freitag den 12. Januar schriftlich beantworten. Das hat Mytaxi am Donnerstagabend per Mail getan. Aus uns bislang nicht nachvollziehbaren technischen Gründen kam die Email bei der Autorin aber nie an. Für den technischen Fehler entschuldigen wir uns und reichen die Fragen von uns und die Antworten von Mytaxi unter dem Text nach.

Gegen die Grundidee, dass etwas einfacher werden soll und dazu auch noch günstiger, lässt sich normalerweise wenig einwenden. Die App Mytaxi will das Taxifahren – in der Regel eine teure Angelegenheit – für alle erschwinglicher und leichter zugänglich machen. Mit ihr kann jeder per Knopfdruck den nächsten Wagen bestellen, ohne großes Rumtelefonieren, ohne lange Wartezeiten. Man kann die Fahrt bargeldlos per Smartphone zahlen und neuerdings sogar Mitfahrer mitnehmen und sich mit ihnen den Fahrpreis teilen, wenn man möchte.

Das klingt so weit sehr gut, doch die App hat mächtig Unmut ausgelöst: bei Taxifahrern, in den Taxizentralen und sogar bei den Kunden. Man könnte zunächst denken, es sei der übliche Aufstand derjenigen, die Angst vor Veränderungen haben und sich gegen Neuerungen sperren. Zum Beispiel gegen die neue Matching-Funktion, die es bei Mytaxi seit Dezember gibt. Damit muss kein Taxigast mehr alleine fahren und viel bezahlen, sondern er kann andere Reisende mitnehmen, die in die gleiche Richtung wollen. Die Software ermittelt die gefahrene Strecke und teilt sie anteilsmäßig auf die Mitfahrer auf. Das soll neue Kunden in die Taxis locken, denen solche Fahrten bisher zu teuer waren, hoffen die Entwickler. Dadurch könne die Branche ihre Wagen besser auslasten.

Gemeint ist damit die bestehende Taxibranche. Denn das unterscheidet Mytaxi vom Fahrdienst Uber, der zuvor den Zorn des Gewerbes auf sich zog – Uber schickte Privatleute mit deren eigenen Wagen auf die Straßen. Was ihm jedoch deutsche Gerichte untersagten, worauf sich Uber größtenteils vom deutschen Markt zurückzog. Mytaxi hingegen versteht sich als Vermittler zwischen lizenzierten Taxifahrern und Kunden. Die App soll auch den Fahrern die Arbeit erleichtern, weil die sofort sehen, wo ein Fahrgast wartet, und nicht erst umständlich per Funk verständigt werden müssen. Geschweige denn stundenlang an Taxiständen auf den nächsten Einsteiger warten.

Umstrittene Rabattaktionen

Doch an der Art und Weise, wie Mytaxi Taxi und Kunde zusammenführt und Aufträge sowie Gebühren verteilt, regt sich heftiger Widerstand. Viele Taxler sagen, bei der Auftragsvergabe ginge es nicht mit rechten Dingen zu. In Foren und hinter vorgehaltener Hand regen sie sich auf, dass oft nicht die nächstgelegenen Fahrzeuge zum Kunden geschickt, sondern Stammfahrer bevorzugt würden – oder jene mit guten Bewertungen oder Taxis, die mit Mytaxi-Werbebanner beklebt sind. Da hätten andere gar keine Chance.

Das System der Stammfahrer etabliert Mytaxi selbst: Es legt Aktionsprogramme auf, bei denen Fahrer, die in kurzer Zeit möglichst viele Touren für die App fahren, Statuspunkte sammeln können und dann zum Beispiel als "Goldfahrer" gelten. Das Unternehmen selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu seinen Abrechnungsmodellen, Marktstrategien oder Zahlen.

Kritik gibt es auch an den Preis- und Provisionsmodellen von Mytaxi. Die hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren häufiger gewechselt und dabei die Schmerzgrenze der Branche ausgelotet. Inzwischen sagen manche, Mytaxi entwickle sich zur Gefahr für die gesamte Branche. "Für die Taxiunternehmen selbst wird Mytaxi erst mittelfristig zur Bedrohung werden, für die Taxizentralen ist die App es aber schon heute", sagt Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes BZP. "Hier wird ein Produkt mit sehr viel Geld in den Markt gedrückt – mit Geld von Daimler –, um zu versuchen, die Taxizentralen in den Konkurs zu treiben." Der Automobilkonzern ist seit 2014 an Mytaxi beteiligt, inzwischen hat Daimler den App-Betreiber komplett übernommen.

Was Grätz zum einen kritisiert, sind die stetigen Rabattaktionen, mit denen Mytaxi seine Kunden lockt – obwohl diverse Gerichte solche Rabatte bereits 2016 und 2017 verboten haben. Denn Taxis gelten als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, und der Preis von Taxifahrten wird von den Kommunen geregelt. Niemand dürfe teurer oder billiger Fahrgäste befördern, als in den Taxibedingungen festgelegt ist, urteilten mehrere Gerichte. Die Rabatte seien darum nicht erlaubt. Und sie nehmen natürlich denjenigen Fahrern, die nicht für Mytaxi tätig sind, Kunden ab.

Trotzdem versprach Mytaxi erst kurz vor Weihnachten wieder zehn Euro Rabatt pro Fahrt. Vor allem Matching-Fahrten, bei denen sich kein Mitfahrer findet, werden bezuschusst. Solche Aktionen kosten das Unternehmen zwar viel Geld, sind aber ein guter Marketinggag, um es bekannt zu machen. Inzwischen zählt Mytaxi rund zehn Millionen App-Downloads, 108.000 registrierte Taxifahrer und 70 Millionen Fahrgäste – allerdings nicht allein in Deutschland, sondern insbesondere durch die Fusion mit dem britischen Konkurrenten Hailo und die Übernahme von Taxibeat in Griechenland. Gesonderte Zahlen für Deutschland weist die Firma nicht aus.