Nach dem tödlichen Unfall mit einem Roboterauto von Uber setzt auch der Chiphersteller Nvidia seine Tests mit computergesteuerten Fahrzeugen weltweit aus. Man wolle erst aus dem Unfall lernen, bevor es weitere Probefahrten auf öffentlichen Straßen gebe, teilte das Unternehmen mit.

Bislang hatte Nvidia seine Testflotten selbstfahrender Autos unter anderem in den USA, Japan und Deutschland getestet – dafür kooperierte das Unternehmen zum Beispiel mit Volkswagen. Die Aktie von Nvidia verlor nach der Ankündigung zeitweise mehr als acht Prozent an Wert.

Mit dem Stopp reagierte der Chiphersteller auf einen Unfall in Arizona, bei dem Mitte März ein autonom fahrendes Auto des Fahrdienstvermittlers Uber eine Fußgängerin erfasst hatte. Es war der erste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto in den USA. Noch ist unklar, warum die Sensoren die 49-Jährige, die eine mehrspurige Straße überqueren wollte, nicht rechtzeitig bemerkt haben; unklar ist auch, warum der Sicherheitsfahrer nicht noch eingreifen konnte. Der Wagen bremste der Polizei zufolge nicht ab und versuchte auch nicht, auszuweichen.

Nvidia ist nicht das einzige Unternehmen, das auf den Uber-Unfall reagiert. Auch andere Entwickler wie Toyota und das Startup NuTonomy stoppten vorsichtshalber ihre Testfahrten.

Uber verliert Testlizenz in Kalifornien

Nach dem Unfall stellte Uber das Testprogramm in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Pennsylvania, Arizona und der kanadischen Provinz Ontario vorübergehend ein. Nun hat auch das kalifornische Amt für Kraftfahrzeuge Konsequenzen gezogen: Eine am Samstag auslaufende Lizenz für Probefahrten werde nicht verlängert, teilte die Behörde mit.

Zuvor war Uber bereits von Arizonas Gouverneur Doug Ducey die Testlizenz entzogen worden. Sollte das Unternehmen wieder autonome Autos auf den Straßen testen wollen, müsse die Firma eine neue Erlaubnis beantragen, teilte die Behörde weiter mit. Ducey erklärte, Videomaterial von dem Vorfall habe Sicherheitsbedenken aufkommen lassen. Als Gouverneur erwarte er, dass die öffentliche Sicherheit für die Betreiber selbstfahrender Autos Toppriorität habe. Der Unfall stehe für ein "unbestreitbares Versagen", dieser Erwartung gerecht zu werden.

Die Maßnahme bedeutet eine Kehrtwende im Umgang mit autonomen Fahrzeugen in Arizona. Ducey hatte Uber und anderen Firmen bereitwillig seinen Staat als Testfläche für die Technologie angeboten und ihnen dabei kaum Auflagen gemacht. So durften die Unternehmen probeweise sogar Roboterautos ohne Insassen auf die Straße lassen – dies ist in Deutschland derzeit verboten. Arizona hat lockerere Vorschriften als etwa Kalifornien, wo detaillierte Berichte mit Zahlen zur Abschaltung der Technik verlangt werden.

Schon zuvor Probleme mit Uber-Roboterautos

Bei dem Unfall von Uber in der Nähe von Phoenix, der Hauptstadt Arizonas, saß ein Techniker hinter dem Steuer, der Wagen war allerdings im Selbstfahrmodus. Die Ermittlungen zu dem Unfall laufen noch. Neben der lokalen Polizei untersuchen auch die Nationale Behörde für Transportsicherheit und die Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit den Fall.

Zuvor hatte es bereits Vorfälle mit Uber-Roboterautos gegeben, ein Fahrzeug fuhr etwa im Selbstfahrmodus über eine rote Ampel. Die New York Times berichtete zudem unter Berufung auf interne Unterlagen, dass die selbstfahrenden Autos von Uber zuvor schon unter anderem Schwierigkeiten bei Baustellen und neben Sattelschleppern gehabt hätten. Menschliche Sicherheitsfahrer hätten häufiger als angestrebt die Kontrolle übernehmen müssen.

Selbstfahrende Autos - Arizona verbietet Uber weitere Testfahrten Arizonas Gouverneur hat die Erlaubnis für Testfahrten selbstfahrender Autos zurückgezogen. Grund dafür ist der von einem Uber-Auto verursachte tödliche Unfall. © Foto: Darren Staples / Reuters