Für 189.704 Euro kann man so einiges kaufen. In manchen Gegenden Deutschlands zum Beispiel noch immer eine Eigentumswohnung. Oder eine gebrauchte Jacht am Mittelmeer. Oder, gerade so, einen neuen Ferrari. Der Portofino, das aktuelle Einstiegsmodell des italienischen Autoherstellers, kostet exakt so viel.

Wo die Ferrari-Welt finanziell anfängt, ist man bei Porsche schon recht weit oben. Der Konkurrent zum Portofino aus Süddeutschland ist der 911 Turbo S Cabriolet mit 580 PS. Der Italiener bietet zumindest auf den ersten Blick einiges mehr. 20 PS mehr und zwei zusätzliche Zylinder beispielsweise: Der V8-Turbo im Portofino entwickelt 600 PS.

Auch optisch wirkt der Wagen aus Maranello spektakulärer als der brave Schwabe. Ferrari hat, diesmal ohne Hilfe der sonst gern beauftragten Designfirma Pininfarina, einen Hingucker auf die breiten Reifen gestellt: mit scharf geschnittenen Linien und einer Taille, die das Heck betont. Die LED-Scheinwerfer sind so gezeichnet, dass sie den Eindruck eines Raubtierblicks erwecken. Damit der Zwei-plus-zwei-Sitzer sowohl geschlossen als auch offen wie aus einem Guss wirkt, haben die Italiener – zum Leidwesen mancher Cabriolet-Fans – statt eines klassischen Stoffverdecks wieder ein klappbares Hardtop aus Aluminium verbaut.

Ein Sportwagen für den Alltag?

Von den analogen Instrumenten ist, wie bei anderen Modellen der Marke, alleine noch der zentrale, dominante Drehzahlmesser übrig geblieben. Links und rechts daneben informieren rechteckige Displays digital über alle erdenklichen Daten, von den wirkenden Kräften (G-Force) bis zu Anweisungen des Navis. Auch der Beifahrer blickt auf ein eigenes schmales Display – gewissermaßen als alles überwachender Co-Pilot.

Fahrer und Passagier finden konturierte, aber nicht übertrieben enge Sitze vor. Wie beim Vorgänger, dem California, rechnet Ferrari für den Fond mit einer Nutzungsquote von 30 Prozent. Also findet zumindest der Nachwuchs dort für kurze Strecken ausreichend Platz. Schließlich bewirbt Ferrari den Portofino ausdrücklich auch als Sportwagen für den Alltag "mit sozialer Akzeptanz": Damit bringt der Millionär von nebenan seine Kinder zur Schule. Und möglicherweise ist der Basis-Ferrari ja der einzige Sportwagen in der Garage und muss folglich sämtliche Gelüste von Papi (oder Mami) bedienen. Es nämlich krachen lassen, sobald die Kinder abgeliefert sind.

Tatsächlich gehört die Fahrt im Portofino zu den höchsten Genüssen des automobilen Lebens. Der Motor reagiert zügig auf jeden Befehl am Gaspedal – wenn auch, verglichen mit früheren Saugmotoren, mit minimaler Verzögerung. Doch dank des Turbos entwickelt der V8 bei nahezu jeder Drehzahl enormen Druck und beschleunigt kräftig, untermalt vom typischen Ferrari-Klang: erst kräftig brüllend, dann trompetend. Anders als beispielsweise Porsche bemüht man sich in Maranello nicht, den Sound künstlich auf den eines Saugmotors zu trimmen; das heisere Kreischen, das früher an der Drehzahlgrenze die Ohren betäubte, ist somit natürlich passé.

Begrenztes Frischlufterlebnis

Das Fahrwerk des 4,59 Meter langen Portofino unterstützt das Fahrgefühl mit einer sportlich-straffen, aber nicht übertrieben harten Abstimmung. Präzise folgt es den Befehlen der Lenkung, Kurven durcheilt das Cabrio-Coupé wie auf Schienen. Allerdings erlaubt sich die Karosserie im Offen-Modus auch mal ein Knarzen.

Der Heckantrieb, die konsequente Trennung von Kraftfluss und Lenkung, ist an sich unübertroffen. Doch beim Entfesseln der kompletten Leistung gerät das Prinzip an seine Grenzen: Dann bricht das Heck beim Beschleunigen aus, wo der allradgetriebene Porsche Turbo S mit voller Traktion in der Spur bleibt. Die technische Fahrdynamikregelung, kurz ESC genannt, greift im Portofino erst spät ein, insbesondere im Sportmodus.

Als geschlossenes Coupé vermittelt der Portofino feinstes Sportwagen-Feeling; offen gesellt sich das Frischlufterlebnis dazu. In den Innenraum strömt allerdings 30 Prozent weniger Luftmasse als beim Vorgänger – für Cabrio-Enthusiasten mag das schon ein deutlicher Kritikpunkt sein.

Für knapp unter 190.000 Euro erhalten Ferraristi also tatsächlich einen emotionalen Sportwagen mit Alltagsqualität. Darin ist er seinem direkten Wettbewerber von Porsche durchaus ähnlich – und sogar ein paar Tausender preiswerter. Ein italienischer Sportler als Schnäppchen – Millionär, was willst du mehr?