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Ein Interrail-Ticket zum 18. Geburtstag – ganz umsonst? Genau dafür setzt sich die Initiative #FreeInterrail ein und erhält immer mehr Zuspruch. In einem offenen Brief an die EU-Kommission und den Rat der Europäischen Union fordern die Initiatoren, allen EU-Bürgerinnen und -Bürgern zum 18. Geburtstag einen kostenfreien Interrail-Monatspass zur Verfügung zu stellen. Nur wer Europa kenne, könne es auch schätzen. Und die Möglichkeit, Europa zu erfahren, dürfe nicht einer privilegierten Minderheit vorbehalten bleiben. Mittlerweile haben mehr als 100 Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Schauspielerinnen und Schauspieler, Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Aktivisten das Schreiben unterzeichnet. Hier lesen Sie den Brief der Initiative #FreeInterrail. Die Idee geht auf die beiden Aktivisten Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer zurück. Sie stellten das Projekt auf Konferenzen und in Zeitungsbeiträgen vor, unter anderem beim Festival Z2X von ZEIT ONLINE.

Sehr geehrter Herr Präsident Juncker,
sehr geehrte Mitglieder der Europäischen Kommission,
sehr geehrter Herr Präsident Tusk,
sehr geehrte Mitglieder des Europäischen Rates,

im Leben aller großen Institutionen und politischen Projekte gibt es Momente, in denen große Entscheidungen anstehen. Momente, die Mut und Visionskraft erfordern und Generationen nachhaltig prägen werden. Die Europäische Union befindet sich an der Schwelle eines solchen Moments.

In den nächsten wenigen Jahren wird sich entscheiden, ob die Vision eines friedlichen, geeinten und solidarischen Europas das prägende Narrativ des Kontinents bleibt. Oder ob die Zeit vor uns von Nationalismus, Grenzen und oppositionellen Interessen geprägt sein wird.

Der Schlüssel zur Zukunft Europas liegt in den Händen der zukünftigen Generationen. Es wird jetzt darauf ankommen, ob wir der jungen Generation Perspektiven eröffnen und es ihnen ermöglichen, Europa kennen- und schätzen zu lernen. Europäerin und Europäer wird niemand durch Schulbücher oder Werbebroschüren. Europäerin und Europäer wird man durch Erfahrung, durch Austausch, Freundschaften und Reisen.

Universale Mobilität ist der entscheidende Faktor. Noch immer ist es nur einem Bruchteil der jungen Generation möglich, Erfahrungen in anderen EU-Ländern zu sammeln oder von Programmen wie Erasmus+ und dem Europäischen Freiwilligendienst zu profitieren. Europa kennenzulernen, seinen Menschen und Kulturen zu begegnen, ist weiterhin das Privileg einer Minderheit. 

Wer Europas Zukunft und Zusammenhalt sichern und stärken will, muss das Privileg weniger zu einer Möglichkeit für alle machen

Dafür liegt ein konkreter und praktikabler Vorschlag auf dem Tisch.

#FreeInterrail. Die Idee ist einfach: Alle EU-Bürgerinnen und Bürger erhalten einen Interrail-Gutschein zum 18. Geburtstag. Innerhalb von sechs Jahren kann dieser für ein 30-Tage-Ticket eingelöst werden. Die Briefe zum 18. Geburtstag kommen von Ihnen, aus der Europäischen Kommission, und stellen sofort eine direkte Verbindung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und ihren europäischen Institutionen her.

Die Vorteile von #FreeInterrail sind zahlreich: Jungen Menschen eröffnen sich neue Chancen und Erfahrungen, umweltfreundlicher Verkehr wird gefördert, Regionen und Kleinstädte gestärkt, Tourismus gesteigert und die Wirtschaft angekurbelt. #FreeInterrail befeuert kulturellen Austausch sowie Bildung und beugt Stereotypen vor. Auch wäre es der Einstieg in andere EU-Jugend- und Austauschprogramme. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Jugendverbände und soziale Arbeit würden mit ihren Angeboten einen Rahmen schaffen, sodass wirklich alle jungen Menschen eine Reise ins Ausland machen können. Jugendnetzwerke, Onlineangebote und lokale Infospots können Reisende mit sozial schwächeren Hintergründen unterstützen.

Die Verwirklichung ist möglich und realistisch: Die Infrastruktur steht, die Züge, Busse, Schiffe fahren. Lediglich die jungen Reisenden warten noch. #FreeInterrail wäre das erste EU-Programm für alle jungen Menschen und ein Türöffner zur Vielfalt und Schönheit unseres Kontinents.

Der Vorschlag, der seinen Ursprung in der Zivilgesellschaft hat, begeistert Menschen in ganz Europa, lässt sie träumen und hoffen und hat mittlerweile auch die Mehrheit des Europäischen Parlamentes überzeugt. Das geplante Pilotprojekt für das Jahr 2018 ist ein erster wichtiger Schritt. Lassen Sie uns gemeinsam weitergehen. Jetzt liegt die Entscheidung bei Ihnen, Damen und Herren der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates. Sie setzen die Prioritäten für die nächsten Jahre. Machen Sie #FreeInterrail zu einem Teil davon. Verwirklichen Sie den Vorschlag, und nehmen Sie die Gelder nicht aus anderen Jugendprogrammen, sondern vergrößern Sie die Mittel, die an junge Leute gehen. Es ist ein kluges und nachhaltiges Investment in Europas Zukunft. Mit Erasmus begann die Vision vom Austausch junger Menschen in Europa. Mit #FreeInterrail wird daraus eine Erfahrung für die gesamte Generation. Geben Sie der Jugend Zugang zu Europa, damit diese uns allen eine europäische Zukunft geben kann.

Hochachtungsvoll,
Die Unterzeichnenden

Auswahl der Unterzeichnenden

Robert Menasse, Schriftsteller, Österreich
László Andor, ehemaliger EU-Kommissar, Ungarn
Martin Walser, Schriftsteller, Deutschland
Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister, Deutschland
Daniel Brühl, Schauspieler, Deutschland
Til Schweiger, Schauspieler, Deutschland
Benno Fürmann, Schauspieler, Deutschland
Prof. Dr. Ulrike Guerót, Politikwissenschaftlerin, Deutschland
Dr. Daniel Röder, Initiator von Pulse of Europe, Deutschland
Prof. Dr. Philipp Hübl, Philosoph, Deutschland
Andreas Mühe, Fotograf, Deutschland
Felix Adlon, Filmproduzent, Deutschland
Jochen Schropp, Schauspieler, Deutschland
Sibylle Berg, Schriftstellerin, Schweiz/Deutschland
David Crisóstomo, Political Thinker, Portugal
Lena Morozova-Friha, EuropaNova, Executive Director, Frankreich
Håkan A. Bengtsson, Journalist, Schweden
Stavros Papagianneas, Schriftsteller, Griechenland
Vedran Horvat, Institute for Political Ecology, Kroatien
Vittorio Longhi, Schriftsteller, Italien
Andrea Venzon, Präsident von VOLT Europa, Italien
Dr. Erhard Busek, ehemaliger Vizekanzler, Österreich
Nini Tsiklauri, Initiatorin von Pulse of Europe Vienna, Österreich
Nina Adlon, Opernsängerin, Österreich
Verena Ringler, Schriftstellerin, Österreich
Katharina Moser, Unternehmerin und Autorin, Mosaik, Österreich
Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik, Österreich
Dr. Marek Hlavac, Politikwissenschaftler, Scholar Harvard Univ., Slowakei
Vladimír Bartovic, Direktor, Europeum Institute for European Policy, Tschechien
Martin Michelot, stellvertretender Direktor, Europeum Institute for European Policy, Tschechien
Zuzana Stuchlíková, Chefin des Brüssel-Büros, 
Europeum Institute for European Policy, Tschechien
Barbara Holzer, Präsidentin des Club Alpbach, Brüssel, Belgien
Benjamin Bodson, Politikwissenschaftler, Belgien
Silvan Wagenknecht, Initiator von Pulse of Europe, Berlin, Deutschland
Christian Freudlsperger, Vizepräsident von Polis180, Deutschland
Frank Trümper, CEO Baden-Badener Unternehmer Gespräche, Deutschland
Natalya Nepomnyashcha, Gründerin von Netzwerk Chancen, Deutschland
Dr. Steffen Siegel, Kunstkritiker, Deutschland
Dr. Gunnar Wöbke, Präsident von Fraport Skyliners, Deutschland
Katja Sinko, The European Moment, Vizepräsidentin der Jungen Europäischen Bewegung, Deutschland
Dr. Dr. Alexander Görlach, Politikwissenschaftler, Deutschland
Akilnathan Logeswaran, WEF Global Shapers Community, Deutschland
Dominik Schlett, Diem 25, Deutschland
Julian Zuber, Politikwissenschaftler, Deutschland
Peter Jelinek, The European Moment, Deutschland
Christian Wittstadt, CEO RPM Revolutions per Minute, Deutschland
Philipp Sälhoff, Progressives Zentrum, Deutschland
Matthias Lefahrt, Haus des Familienunternehmens, Deutschland
Dr. Alexander Freiherr Knigge, Pulse of Europe, Deutschland
Peter Funk, Pulse of Europe, Eurovision Berlin, Deutschland
Soscha Gräfin zu Eulenburg, Pulse of Europe, Deutschland
Andre Wilkens, Die Offene Gesellschaft, Deutschland
Alexander Wragge, Die Offene Gesellschaft, Deutschland
Claudia Langer, Generationen Stiftung, Deutschland
Prof. Dr. Annette Kreutziger-Herr, Schriftstellerin, Deutschland
Damian Boeselager, Vizepräsident von VOLT Europa, Deutschland
Dr. Mayte Schomburg, Vorsitzende des Publixphere e.V., Deutschland
André Schmitz-Schwarzkopf, Vorsitzender der Schwarzkopf Foundation, Deutschland