Das Bundesumweltministerium hat darauf hingwiesen, dass Stationen zur Messung von Stickoxidwerten nach objektiven Kriterien und geltendem europäischen Recht aufgestellt werden. "Es ist ein Märchen, dass die Messstationen nicht sachgerecht aufgestellt sind", teilte Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter mit. Die Positionierung der Stationen folge eindeutigen europarechtlichen Regeln und beziehe deshalb richtigerweise auch hochbelastete Orte mit ein. 

Behauptungen, dass eine andere Standortverteilung von Messtationen zu besseren Messergebnissen führen würde, bezeichnete sie als "unseriös" und "Augenwischerei": "Die Luft wird nicht besser, wenn man sie anders misst", sagte die SPD-Politikerin. Für eine verbesserte Luftqualität in den deutschen Städten sei kein anderes Messverfahren notwendig, sondern sauberere Diesel und verstärkte Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Damit widerspricht das Umweltministerium einer Darstellung aus dem Bundesverkehrsministerium: Der Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) hatte in der Bild seine Zweifel an der Objektivität der Messungen und Standortauswahl geäußert: Einige Standorte von Messstellen würden zurzeit kritisch hinterfragt werden, und man prüfe, "ob sie überhaupt den europäischen Vorgaben entsprechen", sagte Bilger und forderte für die Zukunft: "Neue Messstellen sollten objektive Werte ermitteln und nicht die schlechtestmöglichen."

Als Beispiel für eine möglicherweise falsch gewählte Platzierung einer Messstation nannte der CDU-Staatssekretär das Neckartor in Stuttgart. Experten hätten bei einer Anhörung im Bundestag darauf hingewiesen, dass die Messtation am Neckartor "die lokal höchste Emission erfasst" und schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite nur noch ein Drittel so hohe Schadstoffwerte gemessen würden. Die erhöhten Konzentrationen seien "lokale Höchstkonzentrationen und nicht auf anliegende Wohnviertel zu übertragen".

Relevant sind die Ergebnisse der Stickoxidmessungen vor allem für die Entscheidung über Fahrverbote für Dieselautos. Ende Februar hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass Städte zur Senkung der Stickoxidbelastung grundsätzlich Fahrverbote für Dieselautos verhängen dürfen. Die Bundesregierung will das vermeiden.