Motorrad-Ästhetik und Vintage-Look: Mit diesen zwei Merkmalen will sich das neueste Modell der jungen Elektrorad-Marke Rayvolt aus Barcelona vom mittlerweile riesigen Angebot an E-Bikes abheben. Eine Testfahrt auf dem Cruzer zeigt: Die Differenzierung gelingt dem feschen Retrofahrrad ziemlich gut.

Auch wenn es Rayvolt bereits seit 2016 gibt, ist der in Barcelona entwickelte und in China produzierte Cruzer in seiner katalanischen Heimat ein alles andere als gewöhnlicher Anblick. Wer das Rad durch die Gassen der Altstadt oder entlang der Strandpromenade lenkt, zieht unweigerlich Blicke auf sich. Optisch erinnert das langgestreckte E-Bike an Motorradklassiker, etwa die Indian Chief aus den 1950er Jahren.

Fette Reifen, ein breiter Chopper-Lenker und eine Tankattrappe zwischen den beiden Oberrohren betonen diese Ästhetik. Für einen Motor könnte man den mit braun gegerbten Tierhäuten beklebten Kasten unter dem Ledersattel halten – tatsächlich versteckt sich in ihm die Batterie. Die matte Lackierung und auf alt getrimmte Leder- und Kupferapplikationen hauchen dem Cruzer das Flair einer längst vergangenen Industrieepoche ein.

Kein Rad für intensive Beinarbeit

Der Optik zum Trotz: Das Pedelec ist technisch zeitgemäß und solide verarbeitet. Es hat LED-Leuchten, hydraulische Scheibenbremsen und optional einen mittig im Lenker montierten Touchscreen im Format eines Smartphones. Über das Bordcomputer-System kann man diverse Parameter für den Antrieb justieren, MP3-Musik abspielen oder eine GPS-Navigation nutzen. Sogar Tracking und damit eine clevere Diebstahlsicherung erlaubt die Infotainment-Technik.

Das schicke Display lässt sich bei Sonneneinstrahlung allerdings schwer ablesen. Nötig ist es ohnehin nicht, denn die Eiva-Software lässt sich auch aufs Handy laden und über Bluetooth mit dem Antriebssystem verbinden.

Dass es sich beim Rayvolt Cruzer um ein elektrisch angetriebenes Rad handelt, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Der kleine 400-Watt-Heckmotor zumindest ist kaum größer als eine Nabenschaltung. Wir sind im Test mit einer 1.000-Watt-Maschine gefahren, die auffälliger ist, weil sie in Pizzagröße großzügig das Hinterrad ausfüllt.

Aktiviert wird der Antrieb über den Dreh eines Schlüssels, der seitlich im Batteriekasten steckt. Rayvolt bietet den Cruzer grundsätzlich in zwei Varianten an: mit und ohne Sensor für die Kurbelbewegungserkennung. Bei dem Bike ohne Sensor wird die Geschwindigkeit ausschließlich über einen kleinen Hebel für den rechten Daumen reguliert, die Version mit Sensor kann wie ein typisches Pedelec auch über den Pedalantrieb beschleunigt werden. Letztere Variante bietet sich vor allem für gemütliches Cruisen an, denn für intensive Beinarbeit auf längeren Touren ist die entspannte Sitzhaltung nicht optimal.