Würde sie nicht von Elon Musk stammen, dann wäre die Idee für viele wohl nur Spinnerei. Aber der umtriebige Milliardär aus Kalifornien hat zuvor schon mehrfach bewiesen, dass er verrückte Ideen erfolgreich umsetzen kann: Er gründete Tesla Motors und produziert Luxuselektroautos, er startete ein Unternehmen für private Raumflüge. Jetzt hat der 42-Jährige ein wahnwitzig klingendes Verkehrskonzept vorgestellt: In 1.200 Stundenkilometer schnellen Kapseln sollen Passagiere binnen einer guten halben Stunde von San Francisco nach Los Angeles reisen.

Hyperloop sei ein "Transportmittel, das das Reisen revolutionieren könnte", sagte Musk am Montagabend, als er die Details seines Vorhabens erläuterte. Die Reisenden sitzen in Aluminiumkapseln, die auf Luftkissen durch eine Röhre befördert werden, ähnlich dem Prinzip von Airhockey-Tischen. Ein niedriger Luftdruck soll Reibungsverluste verringern. Die Transportröhre soll auf hohen Stelzen stehen. Eine Hyperloop-Kapsel kann 28 Leute fassen. Alle 30 Sekunden soll eine neue Kapsel an einem der Bahnhöfe auf die Reise gehen. Solarzellen auf dem Dach des Zuges und Batterien sollen den Energiebedarf sichern. 

Die Fahrt mit dem Hyperloop werde sich fast wie ein Flug im Flugzeug anfühlen, "sanft, als ob man auf Luft fährt", sagte Musk in einer Telefonkonferenz. Der Fahrgast werde das hohe Tempo nicht spüren. Musk hob hervor, bei seiner Idee handele es sich um einen "Open-Source-Entwurf", den jeder Interessierte verwirklichen dürfe. Allerdings schließt Musk nicht prinzipiell aus, zumindest einen Prototypen zu bauen. "Ich versuche nicht, tonnenweise Geld damit zu machen, aber ich würde gerne sehen, dass es fruchtet, und ich denke, es könnte helfen, wenn ich eine Demonstration machen würde."

Musk sagte, das erste Testmodell könne bereits in drei bis vier Jahren fertig sein. Dabei würde auch Technologie von Musks Firmen Tesla Motors und SpaceX zum Einsatz kommen. An den ersten Hyperloop-Plänen arbeiteten laut Musk ein Dutzend Ingenieure der beiden Unternehmen mit. Es sei aber mehr "eine Hintergrund-Geschichte" gewesen und kein Vollzeitjob.

Erheblich günstiger als geplanter Schnellzug

Die von Musk ausgewählte Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles ist bewusst gewählt: Dort plant der Staat Kalifornien zurzeit einen Hochgeschwindigkeitszug für rund 70 Milliarden Dollar. Der Unternehmer lehnt dieses Vorhaben als zu teuer und zu langsam ab. Sein Hyperloop für diese Verbindung werde voraussichtlich nur sechs Milliarden Dollar kosten, sagte Musk. Einen Schnellzug zu bauen, der mehr als zehn Mal so teuer sei wie sein Projekt, sei nicht klug "für einen Staat, der kürzlich noch vor der Pleite stand". Zudem würde der Schnellzug drei Stunden brauchen – der Hyperloop würde die Strecke in 35 Minuten zurücklegen.

"Es wäre großartig, eine Alternative zum Fliegen oder Autofahren zu haben", sagte Musk. Er rechnete vor, dass eine einfache Hyperloop-Fahrt schon für 20 Dollar machbar sei. Laut Musk ist der Hyperloop ideal für Strecken mit einer Länge von etwa 900 Meilen (1.450 Kilometer). Für kürzere Strecken reiche die Beschleunigungszeit kaum aus, auf längeren Strecken wären Überschallflugzeuge Musks Konzept überlegen, heißt es in der 57-seitigen Broschüre, in der Musk seine Idee detailliert vorstellt.    

Der aus Südafrika stammende Unternehmer gründete einst den Bezahldienst PayPal mit und verkaufte ihn später gewinnbringend an Ebay. 2003 gründete er den Autobauer Tesla, dessen Elektroautos sich in den USA gut verkaufen. Außerdem schickte er mit seinem Unternehmen SpaceX den privaten Raumfrachter "Dragon" zur Internationalen Raumstation ISS.