New York (dpa) - An der Wall Street bahnt sich der nächste Skandal an: Die US-Börsenaufsicht SEC geht laut Medienberichten dem Verdacht nach, dass Finanzfirmen die Bevollmächtigten von ausländischen Staatsfonds bestochen haben, um mit ihnen ins Geschäft zu kommen.

Die Bediensteten sollen mit Geld oder auch Reisen umgarnt worden sein. Einige Wall-Street-Häuser hätten Anfragen der SEC erhalten, darunter die Großbank Citigroup und der Finanzinvestor Blackstone, schrieb das «Wall Street Journal» (Freitag) unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Insgesamt stünden bis zu zehn Finanzfirmen im Visier der SEC. Die Unternehmen selbst und die Börsenaufsicht wollten sich nicht äußern.

Staatseigene Fonds aus dem arabischen oder asiatischen Raum gehören zu den größten Investoren der Welt. Sie werden etwa mit den Milliarden aus dem Ölgeschäft gespeist. In der Finanzkrise hatten die Fonds viel Geld in die US-Banken gepumpt und damit die ganze Branche gestützt. Auch in Deutschland sind Staatsfonds aktiv, hier allerdings vor allem bei Autokonzernen wie Daimler und Volkswagen.

Die Mitarbeiter dieser von Regierungen kontrollierten Fonds zu bestechen, ist besonders heikel: Denn das könnte als Beamtenbestechung gewertet werden. Die Fonds hatten ihr Geld zu Krisenzeiten unter anderem in die Citigroup, in Merrill Lynch und Morgan Stanley gesteckt. Der Finanzinvestor Blackstone kam mit der China Investment Corporation groß ins Geschäft.

Die USA verfolgen Bestechung derzeit mit Nachdruck. Die Bank of America etwa musste 137 Millionen Dollar zahlen, weil sie vor Jahren amerikanische Kommunen bei Anleihegeschäften über den Tisch gezogen hatte. Strafen gegen andere Banken in diesem Fall dürften folgen. Die US-Justiz hatte zuvor bereits die deutschen Konzerne Siemens und Daimler wegen Korruption kräftig zur Kasse gebeten.

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