Konflikte Chaos und Gewalt Tunesien

Tunis/Paris (dpa) - Chaos und Gewalt in Tunesien: Nach der Flucht von Machthaber Zine el Abidine Ben Ali ins saudische Exil wurden binnen 24 Stunden zwei Übergangspräsidenten ernannt. Immer wieder kommt es in dem beliebten Urlaubsland zu Plünderungen.

Bei einem Gefängnisbrand im Küstenort Monastir starben nach Angaben von Ärzten bis zu 60 Menschen. Auch in der Stadt Kasserine stand ein Gefängnis in Flammen. Am Samstag marschierte Militär im Stadtzentrum von Tunis auf, am Abend waren wieder Schüsse zu hören. Mehrere Reiseveranstalter holten am Wochenende tausende deutsche Urlauber aus dem Unruheland am Mittelmeer zurück.

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Sie berichteten von Plünderungen und starker Verwüstung. Tankstellen und Polizeistationen seien zerstört worden. «Ich habe Angst gehabt», sagte Mbarka Khamassi aus dem Rems-Murr-Kreis, die in Tunesien Verwandte besucht hatte. Viele der Touristen waren von der überstürzten Abreise aber auch überrascht, weil sie von den blutigen Protesten und dem politischen Chaos in ihren Urlaubsanlagen nichts mitbekommen hatten.

In der tunesischen Hauptstadt Tunis ernannte der Verfassungsrat am Samstag mit Foued Mbazaa (77) den zweiten Übergangspräsidenten innerhalb von 24 Stunden, der umgehend vereidigt wurde. Zunächst hatte Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi die Amtsgeschäfte von Präsident Ben Ali übernommen, der das Land seit fast einem Vierteljahrhundert mit harter Hand regiert hatte. Ben Ali (74) hatte sich am Freitag nach massiven Protesten gegen sein Regime nach Saudi- Arabien abgesetzt.

Mbazaa soll nun Neuwahlen vorbereiten. Er forderte zudem Ghannouchi auf, einen Vorschlag für eine Regierung der nationalen Einheit zu machen. In sie sollen offensichtlich auch Oppositionskräfte eingebunden werden.

Die Bundesregierung rief Tunesien auf, eine Demokratie aufzubauen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot dazu Deutschlands Hilfe an. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an Mbazaa: «Gehen Sie den Weg in Richtung Demokratie, sorgen Sie für wirkliche Stabilität.»

Über der Hauptstadt Tunis stiegen am Samstag Rauchsäulen auf. Schon in der Nacht hatten Brandstifter trotz Ausgangssperre Feuer gelegt, unter anderem in einem Bahnhof. In der Nacht zum Sonntag waren erneut Schüsse zu hören.

  • Quelle dpa
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