Berlin (dpa) - Rund 135 000 Eisenbahner bekommen mehr Geld: Ein neuer Tarifvertrag sieht Einkommenserhöhungen von 1,8 und 2,0 Prozent in zwei Schritten vor. Darauf einigten sich die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Dienstag.

Bahn- Personalvorstand Ulrich Weber schloss betriebsbedingte Kündigungen über 2011 hinaus aus. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte das gleiche Lohnangebot allerdings abgelehnt. Mit anderen Verbesserungen bei Schichtzulagen und Urlaubsgeld ergibt sich nach Berechnungen der Gewerkschaft ein Volumen von etwa fünf Prozent, allerdings bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten.

Weber sprach von einem «sehr ausgewogenen Ergebnis», das auch zukunftsweisend sei. Die Bahn strebe eine Fortsetzung des Beschäftigungsbündnisses an, mit neuen Schwerpunkten bei Altersstruktur, Gesundheitsschutz und Ausbildung. «Außerdem gehen wir neue Wege, um die betriebliche Altersvorsorge unserer Beschäftigten zu stärken», sagte Weber. EVG-Verhandlungsführer Heinz Fuhrmann sprach von einem «tollen Erfolg». Man habe sechs Prozent gefordert und nun unterm Strich fünf Prozent für die Kollegen herausgeholt.

Die Entgelte der Bahnmitarbeiter im Inland werden zum 1. März 2011 um 1,8 Prozent sowie zum 1. Januar 2012 um 2,0 Prozent erhöht. Teil des Tarifwerks ist auch ein bereits ausgezahlter Einmalbetrag von 500 Euro, wie beide Tarifparteien mitteilte. Der Vertrag läuft bis zum 31. Dezember 2012. Er erfasst nicht die 20 000 Lokführer, die bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) organisiert sind. Die Deutsche Bahn hat mit ihren Auslandsbeteiligungen rund 290 000 Beschäftigte.

Zusätzlich zur Lohnerhöhung zahlt der Konzern nach Bahn-Angaben in diesem und im nächsten Jahr zusätzlich ein Prozent «vorzugweise für die individuelle Altersversorgung». Das sind laut EVG jährlich rund 50 Millionen Euro. Das Urlaubsgeld steige künftig mit dem Einkommen, berichtete die Gewerkschaft. Zudem sei eine Erhöhung der Zulagen für Arbeiten zu «sozial ungünstigen Tageszeiten» vereinbart worden.

Die GDL hatte das Lohnangebot der Bahn mit zwei Erhöhungsstufen von 1,8 und 2,0 Prozent als unzureichend abgelehnt und dringt weiterhin auf eine einheitliche Bezahlung aller Lokführer im Fern-, Güter- und Regionalverkehr. Vorher hatte die Lokführergewerkschaft die Verhandlungen mit den großen sechs privaten Regionalbahnen für gescheitert erklärt. Sie droht nun mit Streiks, am 3. Februar berät die Tarifkommission die nächsten Schritte. Die GDL weigert sich, dem vor einer Woche vereinbarten Branchentarifvertrag für den regionalen Schienenverkehr beizutreten.