Jönköping (dpa) - Sportliches Auf und Ab, elementare Fehler, Aussetzer: Die deutschen Handballer stellen bei der WM in Schweden ihren Bundestrainer vor Rätsel. Heiner Brand tat sich schwer mit einer Analyse der bitteren 25:27-Niederlage gegen Ungarn.

«Ich denke, in so einem Spiel gibt man alles. Und wenn ich mit dem Kopf unter dem Arm in Richtung Tor springe, dann ist es das wert. Ich kann nicht sagen, warum wir das nicht gemacht haben», gestand der Bundestrainer ratlos. Das Spiel um Platz fünf bei der WM und damit das sichere Erreichen eines Qualifikations-Turniers für Olympia 2012 waren nach der dritten Niederlage im siebten Spiel futsch. Das Bangen und Zittern um die Olympia-Teilnahme hat begonnen.

Die Ungarn-Schlappe hatte ihn sichtlich mitgenommen. Er blickte traurig, seine Worte kamen gepresst unter dem buschigen, grauen Schnauzer hervor. Zuvor hatte er am Spielfeldrand getobt, geschrien und wild gestikulierend seine Spieler angefeuert. Es half nichts. «Wenn ich die Spieler angeschaut habe, waren sie von Anfang an nicht frisch. Wenn ich ihnen in die Augen geschaut habe, dann war da keine Begeisterung», berichtete der Bundestrainer. Das schlug sich insbesondere im Angriff nieder: Nur vier von zehn Würfen landeten im Tor.

Zwei Tage nach dem begeisternden Tempo- und Spaß-Handball beim 27:24-Erfolg gegen Island folgte der für Brand unerklärliche Einbruch. «Das war mangelnde Qualität», urteilte er. Eine «Anhäufung von falschen Entscheidungen» habe er gesehen, «sehr viele elementare Fehler» und «zu viele Aussetzer». Auch nach seinen Ansprachen in den Auszeiten und in der Pause änderte sich daran nichts. Brand aber ist überzeugt davon, dass er seine Spieler erreicht. «Ich denke schon, dass man mir zuhört. Wir haben es ja zuletzt besser gemacht. Aber vielleicht vergisst man einiges, wenn man nicht frisch ist», sagte der Bundestrainer.

Seit 1997 übt Brand das Amt aus. Den Titeln bei der Heim-WM 2007 und der EM 2004 sowie Silber bei Olympia 2004, WM 2003 und EM 2002 standen aber auch Rückschläge wie Platz neun bei der WM 2005 und Rang zehn bei der EM im Vorjahr gegenüber. Sein Vertrag mit dem Deutschen Handballbund (DHB) läuft noch bis zum Abschluss der WM 2013 in Spanien. Einen Rücktritt vor Vertragsende hatte jüngst in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nicht ausgeschlossen. «Solche Gedanken kommen sicherlich immer mal zwischendurch. Ich setze mich mit meiner Situation schon seit längerem auseinander», gestand er, bezog dies aber nicht auf sportliche Gründe.

Vielmehr hat sich der 58-jährige Gummersbacher in den vergangenen Jahren als Mahner und Kritiker einen Ruf als engagierter Kämpfer für seine Sportart aufgebaut. Damit ist er vor allem in der Bundesliga immer wieder angeeckt, der der Weltmeister von 1978 zu wenig Einsatz für das Aushängeschild Nationalmannschaft vorwirft. «Das will ich nicht während des Turniers aufwärmen. Ich habe genügend Material, um später einmal mit Abstand darüber zu sprechen», meinte Brand.

Bis zu den Olympischen Spielen hatte er durch den Umbau seiner Auswahl nach dem WM 2007 eine neue schlagkräftige Mannschaft aufbauen wollen. Bei der WM sollte ein Platz in der Qualifikation für London gesichert werden. Selbst für den erfahrenen Bundestrainer bei seinem 17. großen Turnier ein ungewohnter Druck. «Deswegen war bei mir auch schon im Dezember die Anspannung so groß wie eigentlich noch nie vor einem großen Turnier», bekannte er.