Hamburg (dpa) - Die Bundesregierung ist wegen möglicher Kopien des Computerwurms Stuxnet besorgt. «Jeder erfolgreiche kriminelle Angriff ermuntert Nachnahmer», warnte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in einer NDR-Reportage.

«Nun ist das "Stuxnet"-Programm so aufwändig, dass die Nachahmung vielleicht kompliziert ist. Aber in bescheidenerem Umfang gibt es das bereits, und deswegen müssen wir uns gegen solche Programme so gut wie nur irgendmöglich wappnen», zitierte der Sender den Minister am Mittwoch.

Stuxnet ist ein ausgeklügeltes Schadprogramm, das gezielt Industrieanlagen angreifen kann. Das Innenministerium betont allerdings, dass der Wurm so komplex sei, dass er nicht ohne großen Aufwand und eine Neuprogrammierung nachgebaut werden könne.

Die Reportage «Angriff aus dem Internet: Wie Online-Täter uns bedrohen» sollte ursprünglich am (heutigen) Mittwoch um 23.15 Uhr ausgestrahlt werden. Wegen des Todes des Filmproduzenten Bernd Eichinger änderte die ARD jedoch das Programm und will sie erst im März zeigen.

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, antwortete dem NDR auf die Frage, ob Deutschland gegen Cyberangriffe gerüstet sei: «Ich sage ganz offen, bei einem Innentäter bekommen wir Probleme.» Als Innentäter gelten Saboteure, die weitverzweigte Computer-Netzwerke von Regierungen, Militäreinrichtungen oder Unternehmen durch Einfügen von Viren direkt infizieren.

Stuxnet gilt als intelligentes Sabotage-Werkzeug, das das iranische Atomprogramm deutlich zurückgeworfen haben soll. Der Computerwurm attackierte nur Industrie-Steuerungsanlagen von Siemens, und zwar ausschließlich in einer Konfiguration, wie sie für Zentrifugen zur Anreicherung radioaktiven Materials typisch sein soll. Deswegen - und auch mit Blick auf den enormen Entwicklungsaufwand - werden westliche Geheimdienste dahinter vermutet. Die «New York Times» berichtete kürzlich, das Virus sei in Israel getestet worden.

NDR-Ankündigung